Pilze, Katzen und Krokodile

Vladislav Mamyshev als Marilyn Monroe (1991)
Die Bedeutung russischer Kunst in der Schweiz
Arina Kowner hat seit mehr als 30 Jahren eine Leidenschaft.
Eine, die sie glücklicherweise mit anderen teilen möchte. Denn Arina Kowner sammelt Kunst, genauer gesagt „Russische Kunst“. Ihre Sammlung beinhaltet über 200 Werke von 48 Künstlerinnen und Künstlern, von denen Kowner viele persönlich kennt.
Unter den Künstlern befinden sich viele bekannte, russische Grössen wie Grisha Bruskin, Vladimir Nemukhin oder auch Vladislav Mamyshev. Daneben sind aber auch westliche Künstler wie  Bruce Nauman, Andy Warhol oder Alois Lichtsteiner vertreten.
Ein Teil dieser überragenden Sammlung ist momentan in Bern zu bestaunen, was soweit kein Zufall ist, da Bern in diesem Zusammenhang eine Schlüsselrolle spielt.
Schon in den 80er Jahren ermöglichte der Schweizer Diplomat Paul Jolles eine der einzigen Ausstellung im Westen für inoffizielle, russische Künstler aus Moskau und Leningrad, welche den geforderten sozialistischen Realismus ablehnten und sich anderen Kunstrichtungen zuwandten.
Hilfe im Ikonenwald
„Die Katze“ von Mamyshev alias „Monroe“ (1991)
Die Ausstellung im Kunstmuseum befindet sich im Erdgeschoss und ist durch die Aufteilung in einzelne Themen sehr übersichtlich gestaltet. Jedoch zeigen alle Themen auf, ob es sich dabei um „ Auseinandersetzung mit der russischen Avantgarde“, „Fotografie“ oder „ Auseinandersetzung mit Ikonen“ handelt, dass diese Ausstellung einer kunsthistorischen Dokumentation gleichkommt.
Daher empfiehlt sich jedem, der nicht bereits über ein breites Wissen in russischer Historik verfügt, den Ausstellungsführer vor und während der Ausstellung etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Denn viele Bilder sind eindeutig zweideutig.
 „Pensionat“ (Erholungsheim) von Vladislav Gutsevitch (1989)
Beispiel dafür ist das bekannte Katzen-Portrait von Mamyshev, welches als Anspielung auf Stalin zu verstehen ist, oder auch das Gemälde „Pensionat“ von Gutsevich, dessen Idylle in Wirklichkeit gespickt ist mit Anspielungen auf die sowjetische Glücksutopie oder die allumfassende Staatsmacht.

Schlichte Schönheiten

„Akt II“ von Igor Vishniakov (2005)
Auch wenn es in der Ausstellung nicht gerade von selbsterklärenden Bildern wimmelt und viele Hintergrundinformationen erforderlich sind, gibt es doch viel Sehenswertes.
Nebst tollen Bildern mit karikaturistischen Zügen oder nostalgischen Fotografien, findet man auch Bilder die man schlichtwegs einfach schön und gelungen nennen kann.
Für Auflockerungen im Bilderwald sorgen eine lebensgrosse Gipsskulptur und eine Klangskulptur, die aus grossen aufgehängten Eisenblechen besteht und den Besuchern zum proben freisteht. Was vor allem von jüngeren Museumsbesuchern sehr begrüsst wird.
Die Ausstellung läuft bis zum 12 Februar 2012
In Kunstmuseum Bern an der Hodlerstrasse 8
Öffnungszeiten Dienstag ( 10h-21h)/ Mittwoch-Sonntag (10h-17h)
Eintrittspreis: 16.- ( 12.- Studenten)

< St.Gall > – Handwerk aus der Schweiz

                                   
Gackernde Frauen schlürfen Cüplis im Neonlicht

Nachdem ich, dank Studentenausweis, nur 7.- Franken Eintrittspreis bezahlt und meine Taschen in ein Schliessfach gestopft hatte, fand ich mich im Museumsshop wieder.

Im hellen Raum erwartete mich eine wunderschöne alte Handstrickmaschine, welche zu bestimmten Zeiten für die Museumsbesucher sogar noch in Betrieb genommen wird.

An den Wänden des Shops hingen grosse Spitzenmuster, unter anderem von Jakob Schläpfer, welche sehr dekorativ wirkten. Wunderschöne Accessoires, die teilweise zum Kauf angeboten waren, lagen in Vitrinen neben einem überschaubaren Mass an Sachbüchern, zum Beispiel eines des Schweizerlabels Akris.

Mir fiel auf, dass die ganze Museumseinrichtung anlässlich der Ausstellung „St.Gall“ neu gestaltet wurde. Im Museumsführer wurde sie, ich zitiere, so beschrieben: „Der goldene Haupteingang symbolisiert das Portal ins neue, visionäre Jahrhundert des St.Galler Textilschaffens. Die von der digitalisierten Welt inspirierte Lounge eröffnet mit ihrem neuinterpretierten Spitzenteppich, den Tapeten im St.Galler-Stickereimotiven und den Stickereispitzen zum Anfassen, die Zukunftsperspektive der St.Galler Textilgeschichte.“
Trotz des wirklich erfrischenden Anstrichs des Eingangsbereiches,  irritierte mich diese „digitalisierte hypervisionäre“ Atmosphäre der Lounge eher, als dass die mir positiv auffiel.  Die dunkelblau gestrichenen Wände mit Fantasie-Blumen-Vogel-Musterungen wirkten sehr düster. Daran  änderten die bunten Neonröhren, welche fächerförmig an Wänden und an den Stützbalken des Raumes auch nicht viel. Der Teppich mit endlosem Rapport, der aus mehreren Schichten Spitzenmotiven bestand, unterstrich das finstere Bild.

Die einzige Auflockerung bot die laut lachende Frauengruppe, die sich in einer Ecke der Lounge auf den tiefen, gemusterten oder neonfarbigen, stoffüberzogenen Bänken und ebenfalls neonfarbigen Tischen versammelt hatte.

Spucke des Teufels

„Die Spitze – viel begehrt aber auch als Spucke des Teufels beschimpft“, stand auf einem der vergrösserten und auf stabilen Hintergrund aufgezogenen Plakate im ersten Stock. Wie bei meinem letzten Besuch im Museum, wurden dem Besucher durch Werbesprüche und Modebilder aufgezeigt, wie sich die Bedeutung der Textilien in der Gesellschaft, in den letzten hundert Jahren kontinuierlich verändert hat.

 
Im zweiten Stock wurde man zurück ins 15. Jahrhundert geführt, an den Beginn der Spitzengeschichte. Die Spitze darf als Erfindung der Renaissance betrachtet werden, die Zeit in der künstlerisches Handwerk erstmals wieder Beachtung bekam. Mode verhalf vor allem dem reichen Bürgertum zur Selbstdarstellung.

Zwischen 1500 und 1700 waren die Techniken der Klöppelspitze, der Bandspitze und der Nadelspitze aus den Spitzenzentren in Italien, nach ganz Europa gelangt. Die spitze war zu jener Zeit jedoch nur für Adelige erschwinglich.

Napoleon war ein Fashionfreak
In den nächsten Räumen, welche Schätze aus den Anfängen des 19 Jahrhunderts zeigten, war unter anderem ein Deuxpièce von Napoleon zu sehen. Denn er hatte, als bekennender Modeliebhaber, die Spitze am französischen Hof wieder eingeführt. Für die Männer vor allem kleingemusterte Alecon- und Argant-Spitzen. Für die Damenkleidung wurden „Blondes“ und „Lille“- Spitzen verwendet.

Selbst im Ausstellungsraum war der einstige Kaiser präsent und schaute mit Argusaugen auf den Besucher herunter. Zum Glück verdrängte das Regenbogen-Gefunkel, des zeitgenössischen Werkes, etwas die spiessige Strenge des Bildes.

Eines der schönsten Räume der Ausstellung war das Blütenmeerzimmer. Ich gab ihm den Namen, da man hier zum ersten Mal, aus den eher dunklen Räumen, in eine wunderschöne Frühlings-Atmosphäre übergeführt wurde, dies durch frische Farben und helle Tapeten mit Blumen und Tieren an einigen Wänden.
In der Mitte des Raums zeigte ein Glaskasten weitere Schmuckstücke aus Napoleons Zeiten. Unter anderem konnte man ein wunderschönes, weisses Spitzenkleid, der Gattin Napoleons besichtigen. Laut Überlieferung hätten 36 Arbeiterinnen während 18 Monaten an diesem Kleid gearbeitet.

Ende der Zeitreise

 
Im letzten Raum wurde man schlussendlich in die Zeit um 1880 bis 1970 geführt. In der die Spitzenindustrie ihren letzten grossen Aufschwung erlebte.

 Zu bestaunen gab es eine über 10 Meter lange Wand voller Musterbücher. Bei den meisten Mustern handelte es sich um St.Galler Ätzstickereien, aus der Sammlung der Firma Grauer Degersheim, welche zwischen 1885 und 1920 produziert wurden.

In den grossen, stehenden Glasvitrinen wurden vor allem sehr eindrucksvolle Damenkleider aus den Anfängen des 20ten Jahrhunderts ausgestellt. In den Vitrinen, den Wänden entlang, wurden die ersten Ätzverfahren erklärt und die daraus entstandenen Spitzenimitationen gezeigt. Unter anderem waren dies, lose Matrosen- und Bubikragen, welche ich als Kind, fast hundert Jahre nach deren Erfindung, auch noch trug.

Auch wenn ich persönlich schon vor der Ausstellung sehr vertraut mit der Materie Spitze war, verliess ich die Räume mit vielen neuen Eindrücken.
Einerseits bewundere ich unsere Vorfahren für ihre unglaubliche handwerkliche Begabung, andererseits bin ich froh darüber, dass Spitze heute nicht mehr rein handwerklich hergestellt wird, da sie sonst sicherlich vom Aussterben bedroht wäre.

Wer jedoch nach einem Ausstellungbesuch immer noch glaubt, dass die Spitze in der Neuzeit zum alten Eisen gehört, sollte sich unbedingt die neuste Frühlings und Sommerkollektionen von Dolce&Gabbana , Louis Vuitton, Prada oder Alexander McQueen anschauen.

Die Spitzenausstellung „st.gall“ ist noch bis zum 29.01.12 in St.Gallen zu bestaunen

BESTFORM zu Gast im Kornhaus

Die Ausstellung „BESTFORM“ im Kornhausforum soll freischaffenden, professionell tätigen  Gestalterinnen und Gestaltern als Werbeplattform dienen. Gezeigt wird eine kleine Anzahl an Werken und Prototypen von Designern und  Designerinnen aus dem Bereich Industriedesign, Keramikdesign, Textildesign, Visuelle Kommunikation und weiteren Designrichtungen.

Die Auswahl der gezeigten Werke wurde durch die „Bernische Stiftung für angewandte Kunst“ getroffen. Die Auswahl stellte sich aus den umgesetzten Projektideen aus dem Jahr 2010, den Ergebnissen der, im Jahr 2011, stattgefundenen Wettbewerbe „Förderbeiträge für Vermarktung“ und  „Projektbeiträge“, sowie neuen Ankäufen der bernischen Stiftung.
 
  Kappen von Ribcap

Im Fokus der Künstler standen vor allem aktuelle Themen wie Innovation, Ökologie und Benutzerfreundlichkeit. Das heisst es wurde vor allem darauf geachtet eine geschickte Kombination aus Handhabung und Design zu finden, damit die Gegenstände auf keinen Fall zweckentfremdet werden. Gutes Beispiel dafür sind die Mützen von Ribcap. Welche nicht ohne Grund Reithelmen oder Fliegermützen gleichen. Denn die stillvollen und zugleich wärmenden Mützen sind mit viskoelastischen Elementen verstärkt, die beim Aufprall schützender wirken sollten als konventionelle Helme.

Daneben werden ökologische und ökonomische Ansätze immer bedeutsamer. Unter diesem Ansatz entstand beispielsweise „Joulia“, ein Projekt von Produktdesignern, Sanitärfachleuten und Ingenieuren. „Joulia“ ist eine Bodenplatte, welche nachträglich in Duschen angebracht werden kann, die Wärme-Energie aus dem Duschwasser zurückgewinnen kann.

Bei den weiteren Produkten handelte es sich meist um neue Umsetzungen klassischen Designs. Hübsches Keramik- und Porzellan-Geschirr reihte sich an Mikrofaser-Schmuck, Lampen mit Holzschirmen lagen wiederum gegenüber schlichten Metallgestellen.
Die vorgeführten Prototypen, wie zum Beispiel der wunderschöne Rollkoffer, der aus dem Projekt „ Leben aus dem Koffer“ hervorging, animieren einen die nächstjährige Ausstellung zu besuchen. Denn was heute noch Prototyp ist, kann morgen schon auf dem Markt erhältlich sein. Da wäre es doch ideal den Verkaufsort schon zu kennen.
  Neue Werke von „ la vague“- einer Plattform für junge Künstler

Die Ausstellung läuft vom 13. Januar bis 5. Februar 2012
  Im Kornhausforum, Kornhausplatz 18, Stadt Bern
Der Eintritt ist frei

600 Künstler übernehmen das Zollfreilager

Nicht alle Jahre wieder und darum sehr begehrt, war der Event, der im letzten Monat des Jahres 2011, im „Zollfreilager“ beim Albisrieden, seinen Auftakt feierte. Über 600 Künstler aus dem Raum Zürich waren zu Gast an der dreizehnten „Zürcher Kunstszene“. Seit Jahren sei der Andrang nicht mehr derart stark gewesen, teilten die Organisatoren mit. Dies ist aber nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, dass die Ausstellung juryfrei und somit für sehr viele Künstler zugänglich ist.

Man traf daher in Zürich nicht wer Rang und Namen hat, sondern zahlreiche Neulinge, „Alte Hasen“ und natürlich auch jede Menge „Freaks“. Das Spektrum der gezeigten Objekte könnte nicht breiter sein. Es gab Gemälde, Zeichnungen, Kritzeleien, Plastiken, Skulpturen, Analogfotografien, Bildprojektionen und mehr, zu sehen, zu bestaunen und zu belächeln.
Natürlich herrschte bei so viel Kunst auch eine extreme Materialschlacht, oder ein Materialwahn. Ob Einfaches wie Stifte, Dreck und Abfall, Originelles wie Kassettenband und Spraydosen oder Traditionelles wie Holz, Stahl und Stein, für wirklich alles wurde eine Verwendung gefunden. Zusammen mit dem „künstlerischen Chaos“, welches bei vielen Zellen herrschte, führte dies eher selten zu einer guten Übersicht über die gezeigten Werke.

Es gab viel Spannendes, Einfallreiches oder gar Inspirierendes anzutreffen. Auch wenn sich unter der ganzen Kunst auch sehr viel „ Künstlerkacke“ angesammelt hatte, machte es riesigen Spass in den, leider etwas kalten Hallen herum zu schnüffeln, zu lästern und zu kichern. Da der Eintritt kostenlos ist kann ich einen Besuch, mit guter Winterkleidung, nur wärmstens empfehlen.

Kunstszene Zürich noch bis zum 8 Januar 2012 in der Zollfreihalle beim Albisrieden.
 

 

 

Zürcher Weihnachtsmärkte unter Beschuss 2011

Weihnachtsmärkte aka Schimmelpilze

„Kulturelles Erbgut“, nannte neulich jemand Zürcher Weihnachtsmärkte. Märkte seien etwas wie das Sechseläuten, die Fasnacht oder das Knabenschiessen. Traditionen, die eben erhalten bleiben müssen. Doch da weder die Fasnacht noch Weihnachtsmärkte in  Zürich eine festverwurzelte Tradition haben, zeigt wieder einmal auf, dass sich die lieben Städter am liebsten alles was nicht niet- und nagelfest ist unter den Nagel reissen. Zudem spriessen Weihnachtsmärkte seit Jahren wie Pilze aus dem Boden. Demnach muss man sich über deren Erhalt kaum ernsthafte Sorgen machen.

Vielleicht wird ja meine Abneigung gegenüber Zürcher Weihnachtsmärkten nur durch Vorurteile gestützt. Denn zugegebenermassen habe ich es bisweilen nur einige Male an den Rosenmarkt im Niederdörfli, dem Altstadtteil Zürichs, geschafft. Doch hat mich bisher mehr die Freude auf einen Spaziergang durch die Altstadt zur Marktbesichtigung geführt, als die Vorfreude auf Stände mit orientalischem Silberschmuck und alternative Hippie-Kleidern, welche ich nicht trage, Bongos, Panflöten und anderen Instrumenten, die ich nicht spiele und Crêpestände, an denen ich nichts esse, da die niederländischen Pfannkuchen meiner Mutter immer noch die Besten sind.
                                           „Rosemärt” im Niederdörfli

 Da mir aber nicht weiterhin vorgeworfen werden soll ich missbrauche Zürcher Weihnachtsmärkte um meine schlechte Laune Kund zu tun, probierte ich mich letztens vom Gegenteil meiner vorgefertigten Meinung zu überzeugen.

Der erste Eindruck bröckelt wie altes Magebrot
Markt am Hauptbahnhof
Begonnen hat meine Besichtigung, da ich Berufspendlerin bin, zwangsläufig am Zürcher Hauptbahnhof. Der hiesige Markt befindet sich in der alten, wunderschönen Bahnhofshalle.

Der erste Eindruck ist nicht der Schlechteste. Zuhinterst steht das Highlight, der riesige „Swarovski- Christbaum“ und Niki de Saint phalle’s Engel wacht über das hecktische Treiben in der Halle. Doch der Schein trügt, oder beginnt wenigstens schnell zu bröckeln, wie das Magenbrot  bei „Crispyland“. Doch dazu später.

Beim Schlendern durch die vielen, doch übersichtlich angeordneten Stände, sichtete ich schönes Holzgeschirr beim „Chrämerlade“ und einen Stand voller hübsch angeordneten Anisbrötli-Förmchen und Holzstempeln. Daneben wimmelten sich, wie erwartet, die üblichen  Asiastände mit farbigen Schals, zu bunten Tüchern und synthetischen Trachtenblusen-Imitationen, peruanische Stände mit gefilzten Kinderkleidern und Strickmützen und indische Stände mit diversen Holzinstrumenten, Klangschalen und Windlichtern. Auch die, von mir „heiss geliebten“, Stände mit Hippie-Alternativ-Kleidern und Silberschmuck musste ich nicht lange suchen.

Den kulinarischen Gaumen erfreuen sollten unter anderem die überteuerten Riesenguetzli und Schoggichläuse der Bäckerei Kleiner, herrlich duftende Chilbichrömli, wie Magenbrot und co. des Konfiseurs Albert Jetter, Hausgemachte italienische Köstlichkeiten, unter anderem Antipasti aus Gläsern und hypermodernen Vakuumbeuteln, süsse bis pikante Crêpes, Glühwein und Punsch beim Stand des Marinello Ladens, diverse Christstollen und natürlich „unüberriechbaren“ Raclettkäse. Eher Unverständnis löste der Stand des „Crispyland“ bei mir aus. Ausladende Riesenbecken voller zerbröselter Niedeltäfeli, vertrocknet wirkendem Magenbrot und undefinierbaren Sesammocken lockten keine Kunden an. Eher belustigend was hingegen der Stand des Nordsee Imbiss, da nicht mal dreissig Meter entfernt eine Filiale der Imbisskette steht und die Kundschaft vor dem Stand daher eher durch Abwesenheit glänzte.

Der Zürcher Hauptbahnhof ist König der Christbäume

Natürlich fand ich bei so vielen Ständen doch auch einige Perlen. Darunter war ein Stand, welcher mich durch exotische Likörs verzauberte. Vor allem die weihnächtlichen Zutaten wie Schokolade, Walnuss, Apfel und Zimt und Marzipan machten mich „gluschtig“. Ein anderer war der Stand der Quellenstiftung, welche Sucht- und Psychischkranke während der Reha unterstützt. Es wurden schlichte, farbige Kerzen verkauft, wobei ein 5er-Sett Kerzen zu 13.- Franken nicht einmal teuer war.
Endlich beim „Swarovski-Christbaum“ angekommen, war ich ehrlich gesagt doch wie jedes Jahr fast peinlich berührt. Wie ein kleines Kind fühlte ich mich unter diesem riesen Baum, der mich durch die angehängten, glitzernden Glas-Engel, -Sterne, -Eiskristalle und -Tannenbäumchen fast zu Tränen rührte. Jedoch standen dieses Jahr leider keine Tierfiguren unter dem Baum, sondern etwas zu üppig geratene Colliers, Kettchen und Ohrringe.

Mein Fazit ist kurz und bündig. Für die Bezeichnung „ Zürcher Christkindli Markt“ fehlte es schlicht und ergreifend an Holz. Ob in Form von Weihnachtsbaumschmuck, Nussknackern, Krippen, Kinderspielzeug, nichts davon konnte ich auffinden. Auch wenn der Markt tatsächlich zum Durchschlendern animiert, wirklich heimelige Weihnachtsstimmung kommt in einer so grossen, bei Tage sehr hellen, hecktischen Halle einfach nicht auf. Und die schneeimitierende Plastikfolie auf den Dächern der Stände sieht einfach nur dämlich aus.

 

Die harte Konkurrenz entpuppt sich als Amerikanischen
Glitzeralbtraum
Markt am Sechseläutenplatz

„Als harte Konkurrenz gegenüber dem Weihnachtsmarkt am Hauptbahnhof“, bezeichnete der Tages Anzeiger den neuen Markt auf dem Sechseläutenplatz, zwischen dem Bahnhof „Stadelhofen“ und der Tramstation „Bellevue“. Also setzte ich all meine Hoffnungen in diesen Markt. Doch bei näherem Herantreten traf mich fast der Schlag. Ich fühlte mich in einem amerikanischen Weihnachtsmärchen wiedergeboren. Rund um das kleine Ständchendorf waren Eingangsbögen aufgestellt, welche gänzlich aus befestigten LED-Schlangen bestanden. Neben dem Tor begrüssten mich ein Plastiksanta und ein, mit zusätzlichen Lichtern behängtes Plastiktännlein. Die riesigen, glitzernden Maschen auf den Hüttendächern waren zwar recht putzig, doch führten sie zusammen mit Plastiktannenkries, Lichterketten und leuchtenden Eiszapfen, bei mir höchstens noch zu Augenüberreizung.

Zum Glück wurde ich, nach den ersten Schreckenssekunden, vom herrlichen Duft frischgebrannten Mandeln abgelenkt. Zudem muss ich zugeben, dass hier unter freiem Himmel, mit Lichterketten  und der Hoffnung auf etwas Schnee schon eher Adventsstimmung herrschte.

Anstatt „Jingle Bells“ zur Bratwurst gibt’s einmal Ballermann zu Döner Kebab

Neben traditionellen Konfiserie-, Schmuck- und Fellfinkenständen gab‘s hier zumindest einige tolle Raritäten oder auch Kuriositäten. Für Feinschmecker war das Zelt des Restaurants „Vordere Sternen“ reserviert. Das Restaurant führt seit der Rennovation ein Provisorium auf dem Sechseläutenplatz und serviert nun dort seine berühmt berüchtigten Bratwürste mit Bürli und scharfem Senf. Beim „Weihnachtlichen Brauhaus“ gab‘s Glühbier, am Kebabstand konnte man gleichzeitig Crêpes und Chnoblibrot kaufen und am kleinen Stand für neureiche Zürcher fand man neben Lachsbrötchen, Prosecco und diversen Shots auch beliebten Amifrass wie Bagels und Donuts.

Etwa in der Mitte des Marktes stand eine rustikale Festhütte, die deftiges Essen, Bier und andere Getränke verkaufte. Die frierenden Gäste konnten im hinteren Teil der Hütte verweilen, während  sich die Hartgesottenen an Stehtischen und auf Bänken reihten. Neben der unausstehlichen Kombination von Ballermann und Schunkelmusik, war wenigstens die schöne Ausstattung, sogar an schicken, holzverkleideten Heizkörpern wurde nicht gespart, ein echter Hingucker.

Das Highlight hier war auf jeden Fall das „Zürcher Wunschbuch“. In einem kleinen roten Häuschen stand nichts ausser einem Altar. Auf ihm lag ein grosses, geöffnetes Buch, in jenem man seine Wünsch, Träume und Hoffnungen verewigen konnte.

Ich liess das Verewigen meiner Gedanken jedoch sein und auch wenn mich nur lausige 15 Minuten auf dem Platz hielten, für richtig harte Weihnachtsmarktfans und alle, die im Winter ihren Mallorca-Ferien nachtrauen, würde ich einen Marktbesuch empfehlen.

Rosige Aussichten
Zur Beruhigung kann ich mit gutem Gewissen sagen, dass es durchaus wunderschöne, romantische Weihnachtsmärkte gibt. Jene im Zürcher Untergrund zu suchen, bleibt jedoch vermutlich erfolglos. Wärmstens empfehlen kann ich dafür den Markt in Luzern, noch bis am 21.12 auf dem Franziskanerplatz, den Markt in St.Gallen, noch bis am 24.12 in der Altstadt, oder dem Markt in Basel, noch bis zum 23.12 auf dem Barfüsserplatz.

Weihnachtssalon in der Matchbox

Der Salon ist reich gefüllt mit kuscheligen Sofas und grossen Sesseln. Dicke, rote Vorhänge und Stehlampen, welche weiches, warmes Licht ausstrahlen runden die winterliche Kuschelromantik ab. Der Weihnachtssalon in der Matchbox lädt definitiv zum Verweilen ein und lässt jeden den alltäglichen Stress und die vorweihnachtliche Hektik im Nu vergessen.

Um das Wohl der Gäste kümmern sich zahlreiche Kellnerinnen und Kellner. Passend zum Ambiente werden Tee, Rum- oder Orangenpunsch zu feinen Guetzlis und anderen Köstlichkeiten serviert.

 Im Rahmen des täglich wechselnden Programmes haben sich die Macher dieses Jahr etwas ganz Besonderes ausstudiert. Schreiner, Souffleusen, Kostümschneiderinnen, Requisiteure, Theatermaler, Autorinnen und Autoren sind jene die normalerweise hinter der Kulisse agieren und bleiben dadurch meist unsichtbar für den Zuschauer. Doch dieses Jahr hat man sie allesamt aus dem Dunkeln gezerrt und ins pralle Scheinwerferlicht gestellt. Sie überraschen die Zuschauer mit kleinen Theaterstücken, Lesungen aus bislang unveröffentlichten Texten und vielem mehr. Unterstützt werden sie dabei von Musikerinnen und Musikern, welche die Stimmung musikalisch unterstreichen und von Schauspielerinnen und Schauspielern, die sich von ganz neuen Seiten zeigen.

Schaut vorbei, wenn Kurator Silvan Kappeler das nächste Mal zum Schlemmen und Geniessen lädt, während man im gemütlichen, fast familiären Rahmen von spannenden Überraschungsgästen unterhalten wird.

Weihnachtssalon in der Matchbox, täglich von 18 Uhr bis ca. 19 Uhr, noch bis zum 23.Dezember im Schiffbau/Matchbox in Zürich

Prix Photo 2011

              Die Ausstellung läuft noch bis Sonntag, 11.12.11 im Kornhaus Bern

Wissenswertes zur Ausstellung
Seit dem erfolgreichen Start im Jahr 2009 wird der „Prix Photo“ auch dieses Jahr, seit Mitte November, wieder durchgeführt. Beim „Prix Photo“ handelt es sich um einen Talentförderpreis im Bereich Fotografie, welcher durch die Wettbewerbsteilnahme erworben werden kann. Genauer gesagt handelt es sich um drei Preise in Gesamtwert von rund 20‘000.- Franken. Beim zusätzlichen Sonderpreis handelt es sich einem materiellen Preis. Die „Fondation BAT Switzerland“ ermöglicht diese Art der Kunstförderung.
Teilnehmen konnten neben professionellen Fotografinnen und Fotografen, auch Auszubildende, sowie frisch im Berufsleben stehende Fotografen. Für den Wettbewerb eingereicht werden mussten 3-6 Bildern zum Thema „Freiheit“. Das Thema soll Antworten auf wesentliche Fragen bringen, respektive neue, originelle Ansichten und Perspektiven in dieser grundsätzliche Debatte bringen.
Ausstellung Hinter Gittern – Freiheit oder Freiheitsberaubung?

Nachdem ich auf Zugfahrt nach Bern, zur Ausstellung im Kornhaus, von einem Schulkollegen darüber informiert wurde, dass einer seiner Kollegen wenig Gutes über die Ausstellung zu berichten hatte, wurde ich tatsächlich etwas enttäuscht.


Im kleinen Ausstellungsraum wurde man von Gitterwänden empfangen, welche in der Mitte eine Art, zu einer Seite geöffnetes, Quadrat bildeten. Um zu den Bildern zu gelangen musste man einige Meter zwischen den Gitterwänden und den Raumwänden entlang gehen. Die Absicht dem Besucher das Thema „Freiheit“, auf solch demonstrative Weise, näher zu bringen, kann eindeutig nur aus Künstlerhand stammen.

Die Bilder waren in einem etwa 45°-Winkel zum Boden aufgestellt. Die ziemlich gekrümmte Körperhaltung, welche man einnehmen musste um die Bilder von Näherem betrachten zu können, wiesen nicht gerade auf Besucherfreundlichkeit hin. Die pinke, festgeklebte Plastikfolie unter den Gewinnerbildern gefiel mir hingegen, da sie im frischen Kontrast zum sonst tristen Raum stand.

Auf der Suche nach Freiheit

Auffällig viele Bilder spielten sich Draussen oder in der Natur ab. Zerfallene Häuser, hinterlassene und vernachlässigte Behausungen zeigten eher Triste Geschichten auf. Dagegen waren auch schöne Landschaften und putzige Bambis vertreten. Bei den restlichen Bildern waren vor allem die Familie, der Zerfall der Gesellschaft, Gewalt und weitere Negative Unterthemen vertreten. Für mein Begriff etwas wenig Freiheit und etwas viel Freiheitsberaubung, Einschränkung und Dadurch entstehendes Leid. Da jedoch leider nur die Gewinner-Bildserien in einem kurzen Text beschrieben waren, man sollte anmerken, dass dieser ebenfalls auf den Boden geklebt und daher nur in der Hocke lesbar war,  habe ich möglicherweise zu viel Negatives in gewisse Bilder rein interpretiert. Was wiederum meine Ansicht unterstreicht, dass Fotografien einfach zu wenig selbsterklärend sind.

                                                                                      Drei der Gewinnerbilder
Auch bei den Wettbewerbsgewinnern standen moralische und ethnische Freiheitsfragen im Vordergrund. Die erst Platzierten Thomas Rousset und Raphaël Verona zeigten beispielsweise Bilder bolivianischer Ureinwohner in ihren Trachten, welche in ihren Land schon seit langer Zeit verfolgt und verachtet werden.  Der drittplazierte  Matthieu Gafsou zeigte den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern, mit schlichten aber eindrucksvollen Bildern und Julien Berbat, zweiter Platz, zeigte die Bettelplätze der Romas, von denen sie bald gesetzlich verwiesen werden können.
Ich habe einige eindrückliche, einige überaschende, einige nachdenklich machende und einige einfach schöne Bilder gesehen. Doch eben nur einige und dafür keine die mich aus den Socken gekippt haben Trotzt Verrenkungen und Bodenturnübungen.

Wo sich DJ’s und Fotografen die Klinke in die Hand geben

DJ FLOHMARKT– X-MAS EDITION

Das auch den Weihnachtsmuffeln, Shoppingmuffeln, sprich Männern nicht langweilig wird, fährt der Zürcher Club Plaza durch die ganze Adventszeit mit neuen Events auf. Diesen Samstag verkaufen namhafte Zürcher DJ’s ihre gebrauchte, aber selbstverständlich guterhaltene Top-Ware, um sie von euch weiter hegen, pflegen und lieben zu lassen.

Ob Vinyl, Synthesizer, Plattenspieler, Mischpulte, Kopfhörer, es ist alles dabei was das Liebhaberherz begehrt. Vorbeikommen lohnt sich auf alle Fälle, den nebst Talent, Freude an der Arbeit und stetige Begeisterungsfähigkeit braucht ein richtig guter DJ ein gutes Equipment. Was spricht also dagegen nicht auch etwas auf Schnäppchenjagt zu gehen um dieses zu erhalten. Während also der Schatz ein hübsches Kleid für die Party kauft, die am Abend steigt, beispielsweise im Plaza, wenn das DJ-Set „Sister Bliss“ (Faithless, UK) auflegt, kann Mann sich im Plaza austoben.

Genauere Infos : Diesen Samstag, 10.12.11 von 11-18 Uhr
                               An der Badenerstrasse 108 in Zürich

                               EINTRITT IST FREI

JANOSCH ABEL Photoausstellung

Für alle Fotografie-Begeisterten, HipHop-Begeisterten und natürlich für alle Frauen, welche von ihren Männern in’s Plaza mitgeschleift werden, gibts diesen Samstag einen weiteren kulturellen Anlass.

Der junge Fotograf Janosch Abel aus Bern beeindruckt die Zuschauer mit seinen Momentaufnahmen, bei denen Snoop Dog bis zu Jamie Cullum für ihn vor der Linse standen. Seine Bescheidenheit, sowie sein Talent sonst unantastbar wirckende Künstler, natürlich und menschlich erscheinen zu lassen, brachten ihn zu solchen Aufträgen. Bisweilen ist er auserhalb des Fotografieszene noch nicht der grosse Stern am Schweizer Talent-Himmel, doch soll sich dies, mit einem umfänglichen Einblick in sein bisheriges Schaffen, schnell ändern.

Genauere Infos : Diesen Samstag, 10.12.11 von 11-18 Uhr

                               Baröffnung ab 17Uhr
                               An der Badenerstrasse 108 in Zürich

                              EINTRITT IST FREI

Heiliger BIMBAM! – Dezember 2011

 Weihnachtsmarkt im Plaza

Wer genug hat vom ewigen Weihnachtsstress in zu heissen Kaufhäusern, deren Luft weihrauchgeschwängert ist und in denen die dumme Schnepfe vor einem, die letztmögliche Geschenkidee vor der Nase weg klaut, für den ist nun endlich Zeit für etwas Neues. Glücklicherweise weht frischer Wind durch die doch irgendwie ersehnte Weihnachtsmelancholie. Vorbeischauen lohnt sich!

Im Zürcher Club Plaza, an der Badenerstrasse 109, findet auch dieses Jahr wieder ein grosser Weihnachtsmarkt statt. Dieser wird während fünf Tagen in drei grossen Sälen des Plaza‘s aufzufinden sein. Es werden dabei Stände von über 40 Anbietern, welche sich während dieser Tage abwechseln, anzutreffen sein. Das Plaza wird mit viel Glühwein und weihnächtlichem Sound den überfüllten Warenhäusern harte Konkurrenz machen. Volle Taschen am Ende des Tages müssen, laut den Veranstaltern, in Kauf genommen werden.

Der Weihnachtsmarkt findet an folgenden Tagen statt:
SA 17. – SO 18. Dezember 13-21 Uhr
DI 20. – MI 21. Dezember 16-24 Uhr
Do 22. Dezember 16-20 Uhr

Adventskalender des Kreis 3 + 4
Vier Tage zu spät entdeckt, jedoch lieber zu spät als nie!

Vom 1. Bis zum 24. Dezember wird natürlich auch beim Adventskalender des „Montagsmarkt“ jeden Tag  ein Türchen geöffnet. Dahinter verbergen sich super tolle Überraschungen, wie Apéros oder Aktionen der Läden und Cafés des Weihnachtsdorfes.

Für genauere Informationen und eine online Anmeldung für den Adventskalender steht die Webseite www.montagsmarkt.ch zur Verfügung.
Als kleine Vorfreude, hier eine Liste einiger Läden und Cafés , welche mit von der Partie sind:

  • Amok (Männermode, bekannt für Männerröcke)
  • Petit Poeme (Schuhe, Accessoires)
  • Altona (Damenmode, bekannt für feinste Stickware),
  • Noelie et Loulou (Accessoires und Damenmode, bekannt für massgeschneiderte Bademode),
  • Lux Plus (Damenmode, bekannt für Vintageperlen)
  • Atelier Sirup (Schmuck, bekannt für verschiedenste Kunststoffmaterialien)
  • Urban Bliss ( Bar mit 50er/ 60er- Jahre Touch)
  • Und viele mehr…

Weihnachtsshopping mit BimBam-Pass

Während der Zeit des Weihnachtsmarktes verwandeln sich verschiedenste Läden und Cafés der Kreise 3 und 4 zu einer Art  Weihnachtsdorf. Bei allen Läden und Cafés ist eine „Faltkarte“ erhältlich. Diese zeigt die Standorte jener Läden auf, bei welchen „Ladenstempel“ erhältlich sind, die benötigt werden um später am Weihnachtsmarkt, ab dem 17. Dezember,  Rabatte abzustauben. Genauer gesagt kann am „Päcklitisch“ im Plaza ab sechs „Ladenstempeln“ einen BimBam-Pass abgeholt werden. Mit dem BimBam-Pass bekommt man 10% auf alle Einkäufe im Weihnachtsdorf, vom 17-22 Dezember, geschenkt.

Das Ganze hört sich im ersten Moment etwas kompliziert an. Doch schnappt euch schnell eine solche „Faltkarte“ und dann ran ans Stempel sammeln. 10% Rabat hören sich möglicherweise nicht nach einer riesigen Aktion an, doch ich denke an Weihnachten zählt jeder geschenkte Rappen doppelt.

Blickfang Zürich 2011

Kalte Füsse vor dem Event

Dass die meisten Messen, Ausstellungen und Vernissagen im Winter stattfinden, macht grundsätzlich Sinn. Im Sommer sind die Leute ja eher mit Glace essen, Sonnenbaden und dem Präsentieren der neusten Sonnenbrillenmodelle beschäftigt. Die eisige Kälte, von der ich beim Aussteigen am Zürcher Hauptbahnhof empfangen wurde, erinnert mich jedoch wiederum daran, dass ich grundsätzlich Sommertemperaturen bevorzuge, wenn ich meine Reise an einen Event antrete.

                                       Lucy in the sky

Der Weg zum Kongresshaus führte mich unweigerlich an der Bahnhofstrasse und somit an seiner neuen Weihnachtsbeleuchtung „Lucy“ vorbei. Natürlich ist sie nicht wirklich neu. Jedoch wird es wahrscheinlich noch zehn Jahre dauern, bis ich diese Beleuchtung als „nicht mehr neu“ einstufe. Wir Schweizer sind schliesslich Gewohnheitstiere. Die Kritik, welche „Lucy“, trotz ihrer Vorgängerin, der Neonröhren-Schocker-Beleuchtung, einkassieren musste, scheint ihre Leuchtkraft nicht beeinträchtigt zu haben. Sie zog mich, wie letztes Jahr schon, in ihren Bann. Es kam mir vor, als würde ein geheimnisvoller Glitzerteppich, sich den Weg zwischen Häusern und Bäumen hindurch bahnen um am Ende im tiefblauen Nachthimmel wieder zu verwinden. Das ältere Ehepaar neben mir, welche sich gerade über die Beleuchtung unterhielt, bestätigte unwissend meine Gedanken. Die Kälte, welche sich unter meine Kleider schlich, liess mich nicht lange in meiner Märchenwelt schwelgen und ich war froh als nach gefühlten 6 Stunden, es waren 6 Minuten, endlich das 11er Tram in Richtung Bürkliplatz eintraf.

Designer versuchen sich im Spagat zwischen Traditionellem und Futuristischem

Im Kongresshaus war es mangels Garderobe und mehr als zwei Armen, eher heiss. Doch munterte ich mich selbst wieder auf, durch das Abschleppen mehrerer Fachzeitschriften, welche den Besuchern gratis zur Verfügung standen. Meine Runde durchs Parterre begann am Ausstellungsplatz der Interiorgestalter, welche im Rahmen von „blickfang selected“ am Freitag, den 25. November vorgestellt worden waren. „Blickfang selected“ bot dem jungen, talentierten, internationalen Design-Nachwuchs die Möglichkeit sich einem breiten Publikum zu präsentieren.
                                          Moderne Vasen vom Koreaner Jaeuk Jung
Daneben tat sich eine leuchtende Lampenwelt auf, welche durchmischt mit Wohnaccessoires ausgestellt war. Wobei die heutigen Lampen auch eher Accessoire als Lichtquelle sind und somit, wie die meisten heutigen Wohnungsgegenstände, eine Schnittstelle zwischen Funktion und Dekoration bilden. Der neuste Hype, welcher sich danach im zweiten Stock bestätigte, sind scheinbar Betonelemente in Kombination mit Milchglas-Lampen oder LED-Spots. Als letztes landete ich bei den Möbelstücken. Ob bei Beistelltischen, Wandregalem, Liegen oder Stühlen, Holz in Naturfarbe und Glas dominierten.

Ebenfalls im Parterre befand sich der Barbereich, welcher im modernen Alphütten-Stil gehalten war. Von der Decke baumelten Hirschgeweihlampen. Darunter tummelten sich rustikale Tische neben Holzstamm-Hockern mit Fell- oder Stoffüberzug. Die einzige Wand des offenen Barbereichs war ebenfalls mit Hirsch-, Gams- und Steinbockköpfen, sowie mit Geweihen der selbigen Tiere übersät. Obwohl sich das Ganze durch das viele Licht über den Tischen und den angeregten Unterhaltungen der Menschen darunter, als eine ziemlich lebhafte Szene präsentierte, war mir diese Grösse an Tierfriedhof etwas zu viel des Guten.

Hasen und Vögel mit süssen Blähbäuchen und dicken Hintern

Im ersten Stock reihten sich weitere Wohnaccessoires an Geschirr und Kleideraccessoires. Ich musste nicht lange suchen, um meine geliebten „buttoneyes“ am Stand von Hersteller Marco Scheidegger  anzutreffen. Dabei handelt es sich um Fabelwesen aus Stoff, welche einen mit ihren grossen Knopfaugen das Herz erwärmen. Weiter ging’s zu SibylleSaara, einem Schweizer Label. Zur Schau gestellt wurden wunderschöne handgefertigte Porzellangefässe mit Tierabbildungen. Während ich die Tassen und Eierbecher aus der Nähe bertachtete, erklärte eine der Designerinnen einer Besucherin gerade, dass sie diejenige im Team sei, welche die Tiere von Hand auf die Gefässe male, während ihre Kollegin für die Herstellung der Gefässe verantwortlich sei.
   
 Geschirr von Sibyllesaara

Länger stehen blieb ich auch beim Stand von Estelle Gassmann, welche von ihr gefertigte Gläser, Teller und Schüsseln aus Glas, Porzellan, Plastik und Zucker-Tragant zeigte.  Auch hier war die Schere zwischen Funktion und Kunstobjekt wider weit geöffnet. Die einzelnen Stücke harmonierten sehr gut miteinander, vielleicht gerade weil es sich bei jedem um ein Einzelstück handelte. An jungendlichem Plastikmodeschmuck, bunten Teppichen, allen möglichen Arten von Handtaschen, lässigen Sonnenbrillen, wunderschönen Strickhandschuhen vorbei, kam ich schliesslich noch bei Charlotte Wooning vorbei. Sie stellt wunderschöne Mettalkettchen her, welche mit verschiedenfarbigen Perlen, verschieden grossen Kettengliedern und Kettenformen, zum wahren Hingucker werden. Bei ihr hatte ich letztes Jahr zusammen mit meiner Mutter, die übrige Kundschaft verwirrt, weil wir uns lautstark auf Niederländisch mit ihr unterhielten. Nach dem netten Gespräch, letztes Jahr, war ich stolze Besitzerin eines ihrer Schmuckstücke. Ich liess mir zudem noch ein zweites, direkt aus den Niederlanden herschicken, da sie ein Kettchen, welches ich begehrte, nicht in der von mir gewünschten Länge dabei hatte.

In Begleitung einer Vogelschar ging‘s im Hagelschauer dem Bach entlang

Als ich endlich beim Ausstellungsbereich angelangt war, der mir persönlich am meisten Herzhüpfen verursacht, brauchte ich zuerst mal eine kurze Verschnaufpause. Dank sei zwei vollgestopften Taschen, Notizbuch und griffbereitem Stift, hatte ich schon nach vierzig Minuten Krämpfe in beiden Armen. Ein rosaroter Pfeil auf dem Boden wies mir den Weg zur „Fashion Lounge“. Ich setze mich auf eine der Stufen des kurzen Treppenabsatzes, welcher zur Fläche führte auf der sich die Lounge befand. Sie präsentierte sich eher langweilig. Ein riesiger hellgrauer Teppich grenzte den Loungebereich ein. Auf ihm standen asymmetrische Polsterelemente neben tiefen Tischchen auf Steckenbeinchen. Die Loungeeinrichtung wirkte unter der hohen Decke eher verloren, als einladend. Die Gespräche in der Lounge glichen auch mehr einem leisen Getuschel. Da war mir die Atmosphäre der Alphütte im Parterre doch noch lieber.

Nach der kurzen Pause setzte ich meinen Rundgang fort. Von klassischen Basics, über alternativ wirkende Filzkleider, diversen Stoff- und Ledertaschen, eleganten Vintagekleidern zu flauschigen Stricksachen war wirklich für jeden Geschmack etwas dabei. Nachdem ich an vielen mir bekannten Labels, wie Ida Gut, Kleinbasel, Little Black Dress, Amok und Tarzan vorbeikam, hielt ich nach mir Unbekanntem Ausschau.

Als erstes entdeckte ich das Label Hageli von Claudia Hägeli. Zu sehen gab‘s lässig bis elegant bedruckte Foulard, welche teilweise durch Zusammennähen zu einer Art losen Matrosenkragen oder Jabot wurden. Bei Yoshiki von Tülay Kula überzeugten mich ebenfalls abwechslungsreiche Prints bei Oberteilen und Foulards. Die gemusterten Foulards waren frühlingshaft mit Schmetterlingen versehen, die Unifarbenen dagegen mit schönem Spitzeneinfass versehen.
                                 Yoshiki Fashion
Herausgestochen ist auch der Stand des Labels Fink und Star von Lea Schiesser und Nina Lehmann. Die feinen Overalls in Blau oder mit buntem Blumenmuster, welche am Ständer hingen und welche die Designerinnen auch selbst trugen, zogen als erstes meinen Blick auf sich. Nach einem kurzen Gespräch mit einer der Zweien wurde ich persönlich durch die sportlich verspielt und zugleich sehr romantische Kollektion geführt. Mein Liebling war ein weites, weisses Fledermausshirt mit lässigem schwarzen Print und Tunnelzug auf halber Höhe. Die Kleidungsstücke waren reich an schönen Detailarbeiten, wie zum Beispiel mehren Knöpfen am Halsausschnitt zur Veränderung dessen.
                                                  Romantisches von Fink und Star

Zum Schluss schaute ich mich noch in der „Bolero’s Choice #1“- Ecke um, in welcher das Modemagazin „Bolero“ eine Hand voll Designer präsentierte. Gefallen haben mir die Sachen von Only E.T Will Judge Me. Es handelte sich dabei um handgefertigte Haarreifen mit markanten Rosen in unterschiedlichen Grössen, Farben und Materialien.

Daneben tauchte für mich Altbekanntes auf. Das Taschenlabel Griesbach von den Schwestern Griesbach. Trotz herkömmlichem Material Leder, schaffen sie es immer wieder durch überragende Verarbeitung und unkonventionellen Formen zu überraschen. Dabei bleibt völlig unbemerkt, dass die zwei in Winterthur lebenden, sowie arbeitenden Schwestern zu Beginn totale Quereinsteiger waren.

                                    Griesbach Taschen

Manchmal bringen Newcomer eben nicht viel Neues

Oben auf der Galerie angekommen, machte ich mich zum Endspurt bereit. Hier Oben waren auch die Fach- und Hochschulen wie die „Schweizer Textil Fachschule“ oder die „Hochschule Luzern“ vertreten. Die “Hochschule Luzern“ hatte sich mit anschaulichem Material zu den Studienrichtungen Textil-, Objekte und Materialdesign am meisten ins kreative Zeug gelegt.

Auf dem Weg zum Newcomer-Abteil im hintersten Ecken der Ausstellung lief ich noch am Stand eines bekannten Gesichts in der Textilbranche, niemand geringerem als Jakob Schläpfer, vorbei. Natürlich war Herr Schläpfer nicht selbst anwesend, sondern liess durch seine Vertretung die neusten Accessoires, Schals und Colliers  aus seinem Laden „Bambola“ präsentieren.
                                           Lapen von Charaktersachen
Bei den Jungdesignern, Neudesignern oder zu Englisch einfachheitshalber Newcomern angekommen, entdeckte ich nicht viel Neues. Einzige wirklich innovative Idee stammte vom Label Charaktersachen von Moritz Profitlich. Er zeigte unter anderem, äusserst originelle Lampen in Form von Glühbirnen in Weckgläsern. Leider hatte der, aus Konstanz angereiste  Deutsche, einen etwas unglücklichen Ausstellungsplatz in der hintersten Ecke bekommen.

Mein Fazit der diesjährigen Messe lasse ich aus, zitiere jedoch zum Schluss Paulchen, der rosarote Panter: „Heute ist nicht alle Tage, ich komme wieder keine Frage!“.