BESTFORM zu Gast im Kornhaus

Die Ausstellung „BESTFORM“ im Kornhausforum soll freischaffenden, professionell tätigen  Gestalterinnen und Gestaltern als Werbeplattform dienen. Gezeigt wird eine kleine Anzahl an Werken und Prototypen von Designern und  Designerinnen aus dem Bereich Industriedesign, Keramikdesign, Textildesign, Visuelle Kommunikation und weiteren Designrichtungen.

Die Auswahl der gezeigten Werke wurde durch die „Bernische Stiftung für angewandte Kunst“ getroffen. Die Auswahl stellte sich aus den umgesetzten Projektideen aus dem Jahr 2010, den Ergebnissen der, im Jahr 2011, stattgefundenen Wettbewerbe „Förderbeiträge für Vermarktung“ und  „Projektbeiträge“, sowie neuen Ankäufen der bernischen Stiftung.
 
  Kappen von Ribcap

Im Fokus der Künstler standen vor allem aktuelle Themen wie Innovation, Ökologie und Benutzerfreundlichkeit. Das heisst es wurde vor allem darauf geachtet eine geschickte Kombination aus Handhabung und Design zu finden, damit die Gegenstände auf keinen Fall zweckentfremdet werden. Gutes Beispiel dafür sind die Mützen von Ribcap. Welche nicht ohne Grund Reithelmen oder Fliegermützen gleichen. Denn die stillvollen und zugleich wärmenden Mützen sind mit viskoelastischen Elementen verstärkt, die beim Aufprall schützender wirken sollten als konventionelle Helme.

Daneben werden ökologische und ökonomische Ansätze immer bedeutsamer. Unter diesem Ansatz entstand beispielsweise „Joulia“, ein Projekt von Produktdesignern, Sanitärfachleuten und Ingenieuren. „Joulia“ ist eine Bodenplatte, welche nachträglich in Duschen angebracht werden kann, die Wärme-Energie aus dem Duschwasser zurückgewinnen kann.

Bei den weiteren Produkten handelte es sich meist um neue Umsetzungen klassischen Designs. Hübsches Keramik- und Porzellan-Geschirr reihte sich an Mikrofaser-Schmuck, Lampen mit Holzschirmen lagen wiederum gegenüber schlichten Metallgestellen.
Die vorgeführten Prototypen, wie zum Beispiel der wunderschöne Rollkoffer, der aus dem Projekt „ Leben aus dem Koffer“ hervorging, animieren einen die nächstjährige Ausstellung zu besuchen. Denn was heute noch Prototyp ist, kann morgen schon auf dem Markt erhältlich sein. Da wäre es doch ideal den Verkaufsort schon zu kennen.
  Neue Werke von „ la vague“- einer Plattform für junge Künstler

Die Ausstellung läuft vom 13. Januar bis 5. Februar 2012
  Im Kornhausforum, Kornhausplatz 18, Stadt Bern
Der Eintritt ist frei

600 Künstler übernehmen das Zollfreilager

Nicht alle Jahre wieder und darum sehr begehrt, war der Event, der im letzten Monat des Jahres 2011, im „Zollfreilager“ beim Albisrieden, seinen Auftakt feierte. Über 600 Künstler aus dem Raum Zürich waren zu Gast an der dreizehnten „Zürcher Kunstszene“. Seit Jahren sei der Andrang nicht mehr derart stark gewesen, teilten die Organisatoren mit. Dies ist aber nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, dass die Ausstellung juryfrei und somit für sehr viele Künstler zugänglich ist.

Man traf daher in Zürich nicht wer Rang und Namen hat, sondern zahlreiche Neulinge, „Alte Hasen“ und natürlich auch jede Menge „Freaks“. Das Spektrum der gezeigten Objekte könnte nicht breiter sein. Es gab Gemälde, Zeichnungen, Kritzeleien, Plastiken, Skulpturen, Analogfotografien, Bildprojektionen und mehr, zu sehen, zu bestaunen und zu belächeln.
Natürlich herrschte bei so viel Kunst auch eine extreme Materialschlacht, oder ein Materialwahn. Ob Einfaches wie Stifte, Dreck und Abfall, Originelles wie Kassettenband und Spraydosen oder Traditionelles wie Holz, Stahl und Stein, für wirklich alles wurde eine Verwendung gefunden. Zusammen mit dem „künstlerischen Chaos“, welches bei vielen Zellen herrschte, führte dies eher selten zu einer guten Übersicht über die gezeigten Werke.

Es gab viel Spannendes, Einfallreiches oder gar Inspirierendes anzutreffen. Auch wenn sich unter der ganzen Kunst auch sehr viel „ Künstlerkacke“ angesammelt hatte, machte es riesigen Spass in den, leider etwas kalten Hallen herum zu schnüffeln, zu lästern und zu kichern. Da der Eintritt kostenlos ist kann ich einen Besuch, mit guter Winterkleidung, nur wärmstens empfehlen.

Kunstszene Zürich noch bis zum 8 Januar 2012 in der Zollfreihalle beim Albisrieden.
 

 

 

Zürcher Weihnachtsmärkte unter Beschuss 2011

Weihnachtsmärkte aka Schimmelpilze

„Kulturelles Erbgut“, nannte neulich jemand Zürcher Weihnachtsmärkte. Märkte seien etwas wie das Sechseläuten, die Fasnacht oder das Knabenschiessen. Traditionen, die eben erhalten bleiben müssen. Doch da weder die Fasnacht noch Weihnachtsmärkte in  Zürich eine festverwurzelte Tradition haben, zeigt wieder einmal auf, dass sich die lieben Städter am liebsten alles was nicht niet- und nagelfest ist unter den Nagel reissen. Zudem spriessen Weihnachtsmärkte seit Jahren wie Pilze aus dem Boden. Demnach muss man sich über deren Erhalt kaum ernsthafte Sorgen machen.

Vielleicht wird ja meine Abneigung gegenüber Zürcher Weihnachtsmärkten nur durch Vorurteile gestützt. Denn zugegebenermassen habe ich es bisweilen nur einige Male an den Rosenmarkt im Niederdörfli, dem Altstadtteil Zürichs, geschafft. Doch hat mich bisher mehr die Freude auf einen Spaziergang durch die Altstadt zur Marktbesichtigung geführt, als die Vorfreude auf Stände mit orientalischem Silberschmuck und alternative Hippie-Kleidern, welche ich nicht trage, Bongos, Panflöten und anderen Instrumenten, die ich nicht spiele und Crêpestände, an denen ich nichts esse, da die niederländischen Pfannkuchen meiner Mutter immer noch die Besten sind.
                                           „Rosemärt” im Niederdörfli

 Da mir aber nicht weiterhin vorgeworfen werden soll ich missbrauche Zürcher Weihnachtsmärkte um meine schlechte Laune Kund zu tun, probierte ich mich letztens vom Gegenteil meiner vorgefertigten Meinung zu überzeugen.

Der erste Eindruck bröckelt wie altes Magebrot
Markt am Hauptbahnhof
Begonnen hat meine Besichtigung, da ich Berufspendlerin bin, zwangsläufig am Zürcher Hauptbahnhof. Der hiesige Markt befindet sich in der alten, wunderschönen Bahnhofshalle.

Der erste Eindruck ist nicht der Schlechteste. Zuhinterst steht das Highlight, der riesige „Swarovski- Christbaum“ und Niki de Saint phalle’s Engel wacht über das hecktische Treiben in der Halle. Doch der Schein trügt, oder beginnt wenigstens schnell zu bröckeln, wie das Magenbrot  bei „Crispyland“. Doch dazu später.

Beim Schlendern durch die vielen, doch übersichtlich angeordneten Stände, sichtete ich schönes Holzgeschirr beim „Chrämerlade“ und einen Stand voller hübsch angeordneten Anisbrötli-Förmchen und Holzstempeln. Daneben wimmelten sich, wie erwartet, die üblichen  Asiastände mit farbigen Schals, zu bunten Tüchern und synthetischen Trachtenblusen-Imitationen, peruanische Stände mit gefilzten Kinderkleidern und Strickmützen und indische Stände mit diversen Holzinstrumenten, Klangschalen und Windlichtern. Auch die, von mir „heiss geliebten“, Stände mit Hippie-Alternativ-Kleidern und Silberschmuck musste ich nicht lange suchen.

Den kulinarischen Gaumen erfreuen sollten unter anderem die überteuerten Riesenguetzli und Schoggichläuse der Bäckerei Kleiner, herrlich duftende Chilbichrömli, wie Magenbrot und co. des Konfiseurs Albert Jetter, Hausgemachte italienische Köstlichkeiten, unter anderem Antipasti aus Gläsern und hypermodernen Vakuumbeuteln, süsse bis pikante Crêpes, Glühwein und Punsch beim Stand des Marinello Ladens, diverse Christstollen und natürlich „unüberriechbaren“ Raclettkäse. Eher Unverständnis löste der Stand des „Crispyland“ bei mir aus. Ausladende Riesenbecken voller zerbröselter Niedeltäfeli, vertrocknet wirkendem Magenbrot und undefinierbaren Sesammocken lockten keine Kunden an. Eher belustigend was hingegen der Stand des Nordsee Imbiss, da nicht mal dreissig Meter entfernt eine Filiale der Imbisskette steht und die Kundschaft vor dem Stand daher eher durch Abwesenheit glänzte.

Der Zürcher Hauptbahnhof ist König der Christbäume

Natürlich fand ich bei so vielen Ständen doch auch einige Perlen. Darunter war ein Stand, welcher mich durch exotische Likörs verzauberte. Vor allem die weihnächtlichen Zutaten wie Schokolade, Walnuss, Apfel und Zimt und Marzipan machten mich „gluschtig“. Ein anderer war der Stand der Quellenstiftung, welche Sucht- und Psychischkranke während der Reha unterstützt. Es wurden schlichte, farbige Kerzen verkauft, wobei ein 5er-Sett Kerzen zu 13.- Franken nicht einmal teuer war.
Endlich beim „Swarovski-Christbaum“ angekommen, war ich ehrlich gesagt doch wie jedes Jahr fast peinlich berührt. Wie ein kleines Kind fühlte ich mich unter diesem riesen Baum, der mich durch die angehängten, glitzernden Glas-Engel, -Sterne, -Eiskristalle und -Tannenbäumchen fast zu Tränen rührte. Jedoch standen dieses Jahr leider keine Tierfiguren unter dem Baum, sondern etwas zu üppig geratene Colliers, Kettchen und Ohrringe.

Mein Fazit ist kurz und bündig. Für die Bezeichnung „ Zürcher Christkindli Markt“ fehlte es schlicht und ergreifend an Holz. Ob in Form von Weihnachtsbaumschmuck, Nussknackern, Krippen, Kinderspielzeug, nichts davon konnte ich auffinden. Auch wenn der Markt tatsächlich zum Durchschlendern animiert, wirklich heimelige Weihnachtsstimmung kommt in einer so grossen, bei Tage sehr hellen, hecktischen Halle einfach nicht auf. Und die schneeimitierende Plastikfolie auf den Dächern der Stände sieht einfach nur dämlich aus.

 

Die harte Konkurrenz entpuppt sich als Amerikanischen
Glitzeralbtraum
Markt am Sechseläutenplatz

„Als harte Konkurrenz gegenüber dem Weihnachtsmarkt am Hauptbahnhof“, bezeichnete der Tages Anzeiger den neuen Markt auf dem Sechseläutenplatz, zwischen dem Bahnhof „Stadelhofen“ und der Tramstation „Bellevue“. Also setzte ich all meine Hoffnungen in diesen Markt. Doch bei näherem Herantreten traf mich fast der Schlag. Ich fühlte mich in einem amerikanischen Weihnachtsmärchen wiedergeboren. Rund um das kleine Ständchendorf waren Eingangsbögen aufgestellt, welche gänzlich aus befestigten LED-Schlangen bestanden. Neben dem Tor begrüssten mich ein Plastiksanta und ein, mit zusätzlichen Lichtern behängtes Plastiktännlein. Die riesigen, glitzernden Maschen auf den Hüttendächern waren zwar recht putzig, doch führten sie zusammen mit Plastiktannenkries, Lichterketten und leuchtenden Eiszapfen, bei mir höchstens noch zu Augenüberreizung.

Zum Glück wurde ich, nach den ersten Schreckenssekunden, vom herrlichen Duft frischgebrannten Mandeln abgelenkt. Zudem muss ich zugeben, dass hier unter freiem Himmel, mit Lichterketten  und der Hoffnung auf etwas Schnee schon eher Adventsstimmung herrschte.

Anstatt „Jingle Bells“ zur Bratwurst gibt’s einmal Ballermann zu Döner Kebab

Neben traditionellen Konfiserie-, Schmuck- und Fellfinkenständen gab‘s hier zumindest einige tolle Raritäten oder auch Kuriositäten. Für Feinschmecker war das Zelt des Restaurants „Vordere Sternen“ reserviert. Das Restaurant führt seit der Rennovation ein Provisorium auf dem Sechseläutenplatz und serviert nun dort seine berühmt berüchtigten Bratwürste mit Bürli und scharfem Senf. Beim „Weihnachtlichen Brauhaus“ gab‘s Glühbier, am Kebabstand konnte man gleichzeitig Crêpes und Chnoblibrot kaufen und am kleinen Stand für neureiche Zürcher fand man neben Lachsbrötchen, Prosecco und diversen Shots auch beliebten Amifrass wie Bagels und Donuts.

Etwa in der Mitte des Marktes stand eine rustikale Festhütte, die deftiges Essen, Bier und andere Getränke verkaufte. Die frierenden Gäste konnten im hinteren Teil der Hütte verweilen, während  sich die Hartgesottenen an Stehtischen und auf Bänken reihten. Neben der unausstehlichen Kombination von Ballermann und Schunkelmusik, war wenigstens die schöne Ausstattung, sogar an schicken, holzverkleideten Heizkörpern wurde nicht gespart, ein echter Hingucker.

Das Highlight hier war auf jeden Fall das „Zürcher Wunschbuch“. In einem kleinen roten Häuschen stand nichts ausser einem Altar. Auf ihm lag ein grosses, geöffnetes Buch, in jenem man seine Wünsch, Träume und Hoffnungen verewigen konnte.

Ich liess das Verewigen meiner Gedanken jedoch sein und auch wenn mich nur lausige 15 Minuten auf dem Platz hielten, für richtig harte Weihnachtsmarktfans und alle, die im Winter ihren Mallorca-Ferien nachtrauen, würde ich einen Marktbesuch empfehlen.

Rosige Aussichten
Zur Beruhigung kann ich mit gutem Gewissen sagen, dass es durchaus wunderschöne, romantische Weihnachtsmärkte gibt. Jene im Zürcher Untergrund zu suchen, bleibt jedoch vermutlich erfolglos. Wärmstens empfehlen kann ich dafür den Markt in Luzern, noch bis am 21.12 auf dem Franziskanerplatz, den Markt in St.Gallen, noch bis am 24.12 in der Altstadt, oder dem Markt in Basel, noch bis zum 23.12 auf dem Barfüsserplatz.

Weihnachtssalon in der Matchbox

Der Salon ist reich gefüllt mit kuscheligen Sofas und grossen Sesseln. Dicke, rote Vorhänge und Stehlampen, welche weiches, warmes Licht ausstrahlen runden die winterliche Kuschelromantik ab. Der Weihnachtssalon in der Matchbox lädt definitiv zum Verweilen ein und lässt jeden den alltäglichen Stress und die vorweihnachtliche Hektik im Nu vergessen.

Um das Wohl der Gäste kümmern sich zahlreiche Kellnerinnen und Kellner. Passend zum Ambiente werden Tee, Rum- oder Orangenpunsch zu feinen Guetzlis und anderen Köstlichkeiten serviert.

 Im Rahmen des täglich wechselnden Programmes haben sich die Macher dieses Jahr etwas ganz Besonderes ausstudiert. Schreiner, Souffleusen, Kostümschneiderinnen, Requisiteure, Theatermaler, Autorinnen und Autoren sind jene die normalerweise hinter der Kulisse agieren und bleiben dadurch meist unsichtbar für den Zuschauer. Doch dieses Jahr hat man sie allesamt aus dem Dunkeln gezerrt und ins pralle Scheinwerferlicht gestellt. Sie überraschen die Zuschauer mit kleinen Theaterstücken, Lesungen aus bislang unveröffentlichten Texten und vielem mehr. Unterstützt werden sie dabei von Musikerinnen und Musikern, welche die Stimmung musikalisch unterstreichen und von Schauspielerinnen und Schauspielern, die sich von ganz neuen Seiten zeigen.

Schaut vorbei, wenn Kurator Silvan Kappeler das nächste Mal zum Schlemmen und Geniessen lädt, während man im gemütlichen, fast familiären Rahmen von spannenden Überraschungsgästen unterhalten wird.

Weihnachtssalon in der Matchbox, täglich von 18 Uhr bis ca. 19 Uhr, noch bis zum 23.Dezember im Schiffbau/Matchbox in Zürich

Prix Photo 2011

              Die Ausstellung läuft noch bis Sonntag, 11.12.11 im Kornhaus Bern

Wissenswertes zur Ausstellung
Seit dem erfolgreichen Start im Jahr 2009 wird der „Prix Photo“ auch dieses Jahr, seit Mitte November, wieder durchgeführt. Beim „Prix Photo“ handelt es sich um einen Talentförderpreis im Bereich Fotografie, welcher durch die Wettbewerbsteilnahme erworben werden kann. Genauer gesagt handelt es sich um drei Preise in Gesamtwert von rund 20‘000.- Franken. Beim zusätzlichen Sonderpreis handelt es sich einem materiellen Preis. Die „Fondation BAT Switzerland“ ermöglicht diese Art der Kunstförderung.
Teilnehmen konnten neben professionellen Fotografinnen und Fotografen, auch Auszubildende, sowie frisch im Berufsleben stehende Fotografen. Für den Wettbewerb eingereicht werden mussten 3-6 Bildern zum Thema „Freiheit“. Das Thema soll Antworten auf wesentliche Fragen bringen, respektive neue, originelle Ansichten und Perspektiven in dieser grundsätzliche Debatte bringen.
Ausstellung Hinter Gittern – Freiheit oder Freiheitsberaubung?

Nachdem ich auf Zugfahrt nach Bern, zur Ausstellung im Kornhaus, von einem Schulkollegen darüber informiert wurde, dass einer seiner Kollegen wenig Gutes über die Ausstellung zu berichten hatte, wurde ich tatsächlich etwas enttäuscht.


Im kleinen Ausstellungsraum wurde man von Gitterwänden empfangen, welche in der Mitte eine Art, zu einer Seite geöffnetes, Quadrat bildeten. Um zu den Bildern zu gelangen musste man einige Meter zwischen den Gitterwänden und den Raumwänden entlang gehen. Die Absicht dem Besucher das Thema „Freiheit“, auf solch demonstrative Weise, näher zu bringen, kann eindeutig nur aus Künstlerhand stammen.

Die Bilder waren in einem etwa 45°-Winkel zum Boden aufgestellt. Die ziemlich gekrümmte Körperhaltung, welche man einnehmen musste um die Bilder von Näherem betrachten zu können, wiesen nicht gerade auf Besucherfreundlichkeit hin. Die pinke, festgeklebte Plastikfolie unter den Gewinnerbildern gefiel mir hingegen, da sie im frischen Kontrast zum sonst tristen Raum stand.

Auf der Suche nach Freiheit

Auffällig viele Bilder spielten sich Draussen oder in der Natur ab. Zerfallene Häuser, hinterlassene und vernachlässigte Behausungen zeigten eher Triste Geschichten auf. Dagegen waren auch schöne Landschaften und putzige Bambis vertreten. Bei den restlichen Bildern waren vor allem die Familie, der Zerfall der Gesellschaft, Gewalt und weitere Negative Unterthemen vertreten. Für mein Begriff etwas wenig Freiheit und etwas viel Freiheitsberaubung, Einschränkung und Dadurch entstehendes Leid. Da jedoch leider nur die Gewinner-Bildserien in einem kurzen Text beschrieben waren, man sollte anmerken, dass dieser ebenfalls auf den Boden geklebt und daher nur in der Hocke lesbar war,  habe ich möglicherweise zu viel Negatives in gewisse Bilder rein interpretiert. Was wiederum meine Ansicht unterstreicht, dass Fotografien einfach zu wenig selbsterklärend sind.

                                                                                      Drei der Gewinnerbilder
Auch bei den Wettbewerbsgewinnern standen moralische und ethnische Freiheitsfragen im Vordergrund. Die erst Platzierten Thomas Rousset und Raphaël Verona zeigten beispielsweise Bilder bolivianischer Ureinwohner in ihren Trachten, welche in ihren Land schon seit langer Zeit verfolgt und verachtet werden.  Der drittplazierte  Matthieu Gafsou zeigte den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern, mit schlichten aber eindrucksvollen Bildern und Julien Berbat, zweiter Platz, zeigte die Bettelplätze der Romas, von denen sie bald gesetzlich verwiesen werden können.
Ich habe einige eindrückliche, einige überaschende, einige nachdenklich machende und einige einfach schöne Bilder gesehen. Doch eben nur einige und dafür keine die mich aus den Socken gekippt haben Trotzt Verrenkungen und Bodenturnübungen.

Wo sich DJ’s und Fotografen die Klinke in die Hand geben

DJ FLOHMARKT– X-MAS EDITION

Das auch den Weihnachtsmuffeln, Shoppingmuffeln, sprich Männern nicht langweilig wird, fährt der Zürcher Club Plaza durch die ganze Adventszeit mit neuen Events auf. Diesen Samstag verkaufen namhafte Zürcher DJ’s ihre gebrauchte, aber selbstverständlich guterhaltene Top-Ware, um sie von euch weiter hegen, pflegen und lieben zu lassen.

Ob Vinyl, Synthesizer, Plattenspieler, Mischpulte, Kopfhörer, es ist alles dabei was das Liebhaberherz begehrt. Vorbeikommen lohnt sich auf alle Fälle, den nebst Talent, Freude an der Arbeit und stetige Begeisterungsfähigkeit braucht ein richtig guter DJ ein gutes Equipment. Was spricht also dagegen nicht auch etwas auf Schnäppchenjagt zu gehen um dieses zu erhalten. Während also der Schatz ein hübsches Kleid für die Party kauft, die am Abend steigt, beispielsweise im Plaza, wenn das DJ-Set „Sister Bliss“ (Faithless, UK) auflegt, kann Mann sich im Plaza austoben.

Genauere Infos : Diesen Samstag, 10.12.11 von 11-18 Uhr
                               An der Badenerstrasse 108 in Zürich

                               EINTRITT IST FREI

JANOSCH ABEL Photoausstellung

Für alle Fotografie-Begeisterten, HipHop-Begeisterten und natürlich für alle Frauen, welche von ihren Männern in’s Plaza mitgeschleift werden, gibts diesen Samstag einen weiteren kulturellen Anlass.

Der junge Fotograf Janosch Abel aus Bern beeindruckt die Zuschauer mit seinen Momentaufnahmen, bei denen Snoop Dog bis zu Jamie Cullum für ihn vor der Linse standen. Seine Bescheidenheit, sowie sein Talent sonst unantastbar wirckende Künstler, natürlich und menschlich erscheinen zu lassen, brachten ihn zu solchen Aufträgen. Bisweilen ist er auserhalb des Fotografieszene noch nicht der grosse Stern am Schweizer Talent-Himmel, doch soll sich dies, mit einem umfänglichen Einblick in sein bisheriges Schaffen, schnell ändern.

Genauere Infos : Diesen Samstag, 10.12.11 von 11-18 Uhr

                               Baröffnung ab 17Uhr
                               An der Badenerstrasse 108 in Zürich

                              EINTRITT IST FREI

Heiliger BIMBAM! – Dezember 2011

 Weihnachtsmarkt im Plaza

Wer genug hat vom ewigen Weihnachtsstress in zu heissen Kaufhäusern, deren Luft weihrauchgeschwängert ist und in denen die dumme Schnepfe vor einem, die letztmögliche Geschenkidee vor der Nase weg klaut, für den ist nun endlich Zeit für etwas Neues. Glücklicherweise weht frischer Wind durch die doch irgendwie ersehnte Weihnachtsmelancholie. Vorbeischauen lohnt sich!

Im Zürcher Club Plaza, an der Badenerstrasse 109, findet auch dieses Jahr wieder ein grosser Weihnachtsmarkt statt. Dieser wird während fünf Tagen in drei grossen Sälen des Plaza‘s aufzufinden sein. Es werden dabei Stände von über 40 Anbietern, welche sich während dieser Tage abwechseln, anzutreffen sein. Das Plaza wird mit viel Glühwein und weihnächtlichem Sound den überfüllten Warenhäusern harte Konkurrenz machen. Volle Taschen am Ende des Tages müssen, laut den Veranstaltern, in Kauf genommen werden.

Der Weihnachtsmarkt findet an folgenden Tagen statt:
SA 17. – SO 18. Dezember 13-21 Uhr
DI 20. – MI 21. Dezember 16-24 Uhr
Do 22. Dezember 16-20 Uhr

Adventskalender des Kreis 3 + 4
Vier Tage zu spät entdeckt, jedoch lieber zu spät als nie!

Vom 1. Bis zum 24. Dezember wird natürlich auch beim Adventskalender des „Montagsmarkt“ jeden Tag  ein Türchen geöffnet. Dahinter verbergen sich super tolle Überraschungen, wie Apéros oder Aktionen der Läden und Cafés des Weihnachtsdorfes.

Für genauere Informationen und eine online Anmeldung für den Adventskalender steht die Webseite www.montagsmarkt.ch zur Verfügung.
Als kleine Vorfreude, hier eine Liste einiger Läden und Cafés , welche mit von der Partie sind:

  • Amok (Männermode, bekannt für Männerröcke)
  • Petit Poeme (Schuhe, Accessoires)
  • Altona (Damenmode, bekannt für feinste Stickware),
  • Noelie et Loulou (Accessoires und Damenmode, bekannt für massgeschneiderte Bademode),
  • Lux Plus (Damenmode, bekannt für Vintageperlen)
  • Atelier Sirup (Schmuck, bekannt für verschiedenste Kunststoffmaterialien)
  • Urban Bliss ( Bar mit 50er/ 60er- Jahre Touch)
  • Und viele mehr…

Weihnachtsshopping mit BimBam-Pass

Während der Zeit des Weihnachtsmarktes verwandeln sich verschiedenste Läden und Cafés der Kreise 3 und 4 zu einer Art  Weihnachtsdorf. Bei allen Läden und Cafés ist eine „Faltkarte“ erhältlich. Diese zeigt die Standorte jener Läden auf, bei welchen „Ladenstempel“ erhältlich sind, die benötigt werden um später am Weihnachtsmarkt, ab dem 17. Dezember,  Rabatte abzustauben. Genauer gesagt kann am „Päcklitisch“ im Plaza ab sechs „Ladenstempeln“ einen BimBam-Pass abgeholt werden. Mit dem BimBam-Pass bekommt man 10% auf alle Einkäufe im Weihnachtsdorf, vom 17-22 Dezember, geschenkt.

Das Ganze hört sich im ersten Moment etwas kompliziert an. Doch schnappt euch schnell eine solche „Faltkarte“ und dann ran ans Stempel sammeln. 10% Rabat hören sich möglicherweise nicht nach einer riesigen Aktion an, doch ich denke an Weihnachten zählt jeder geschenkte Rappen doppelt.

Blickfang Zürich 2011

Kalte Füsse vor dem Event

Dass die meisten Messen, Ausstellungen und Vernissagen im Winter stattfinden, macht grundsätzlich Sinn. Im Sommer sind die Leute ja eher mit Glace essen, Sonnenbaden und dem Präsentieren der neusten Sonnenbrillenmodelle beschäftigt. Die eisige Kälte, von der ich beim Aussteigen am Zürcher Hauptbahnhof empfangen wurde, erinnert mich jedoch wiederum daran, dass ich grundsätzlich Sommertemperaturen bevorzuge, wenn ich meine Reise an einen Event antrete.

                                       Lucy in the sky

Der Weg zum Kongresshaus führte mich unweigerlich an der Bahnhofstrasse und somit an seiner neuen Weihnachtsbeleuchtung „Lucy“ vorbei. Natürlich ist sie nicht wirklich neu. Jedoch wird es wahrscheinlich noch zehn Jahre dauern, bis ich diese Beleuchtung als „nicht mehr neu“ einstufe. Wir Schweizer sind schliesslich Gewohnheitstiere. Die Kritik, welche „Lucy“, trotz ihrer Vorgängerin, der Neonröhren-Schocker-Beleuchtung, einkassieren musste, scheint ihre Leuchtkraft nicht beeinträchtigt zu haben. Sie zog mich, wie letztes Jahr schon, in ihren Bann. Es kam mir vor, als würde ein geheimnisvoller Glitzerteppich, sich den Weg zwischen Häusern und Bäumen hindurch bahnen um am Ende im tiefblauen Nachthimmel wieder zu verwinden. Das ältere Ehepaar neben mir, welche sich gerade über die Beleuchtung unterhielt, bestätigte unwissend meine Gedanken. Die Kälte, welche sich unter meine Kleider schlich, liess mich nicht lange in meiner Märchenwelt schwelgen und ich war froh als nach gefühlten 6 Stunden, es waren 6 Minuten, endlich das 11er Tram in Richtung Bürkliplatz eintraf.

Designer versuchen sich im Spagat zwischen Traditionellem und Futuristischem

Im Kongresshaus war es mangels Garderobe und mehr als zwei Armen, eher heiss. Doch munterte ich mich selbst wieder auf, durch das Abschleppen mehrerer Fachzeitschriften, welche den Besuchern gratis zur Verfügung standen. Meine Runde durchs Parterre begann am Ausstellungsplatz der Interiorgestalter, welche im Rahmen von „blickfang selected“ am Freitag, den 25. November vorgestellt worden waren. „Blickfang selected“ bot dem jungen, talentierten, internationalen Design-Nachwuchs die Möglichkeit sich einem breiten Publikum zu präsentieren.
                                          Moderne Vasen vom Koreaner Jaeuk Jung
Daneben tat sich eine leuchtende Lampenwelt auf, welche durchmischt mit Wohnaccessoires ausgestellt war. Wobei die heutigen Lampen auch eher Accessoire als Lichtquelle sind und somit, wie die meisten heutigen Wohnungsgegenstände, eine Schnittstelle zwischen Funktion und Dekoration bilden. Der neuste Hype, welcher sich danach im zweiten Stock bestätigte, sind scheinbar Betonelemente in Kombination mit Milchglas-Lampen oder LED-Spots. Als letztes landete ich bei den Möbelstücken. Ob bei Beistelltischen, Wandregalem, Liegen oder Stühlen, Holz in Naturfarbe und Glas dominierten.

Ebenfalls im Parterre befand sich der Barbereich, welcher im modernen Alphütten-Stil gehalten war. Von der Decke baumelten Hirschgeweihlampen. Darunter tummelten sich rustikale Tische neben Holzstamm-Hockern mit Fell- oder Stoffüberzug. Die einzige Wand des offenen Barbereichs war ebenfalls mit Hirsch-, Gams- und Steinbockköpfen, sowie mit Geweihen der selbigen Tiere übersät. Obwohl sich das Ganze durch das viele Licht über den Tischen und den angeregten Unterhaltungen der Menschen darunter, als eine ziemlich lebhafte Szene präsentierte, war mir diese Grösse an Tierfriedhof etwas zu viel des Guten.

Hasen und Vögel mit süssen Blähbäuchen und dicken Hintern

Im ersten Stock reihten sich weitere Wohnaccessoires an Geschirr und Kleideraccessoires. Ich musste nicht lange suchen, um meine geliebten „buttoneyes“ am Stand von Hersteller Marco Scheidegger  anzutreffen. Dabei handelt es sich um Fabelwesen aus Stoff, welche einen mit ihren grossen Knopfaugen das Herz erwärmen. Weiter ging’s zu SibylleSaara, einem Schweizer Label. Zur Schau gestellt wurden wunderschöne handgefertigte Porzellangefässe mit Tierabbildungen. Während ich die Tassen und Eierbecher aus der Nähe bertachtete, erklärte eine der Designerinnen einer Besucherin gerade, dass sie diejenige im Team sei, welche die Tiere von Hand auf die Gefässe male, während ihre Kollegin für die Herstellung der Gefässe verantwortlich sei.
   
 Geschirr von Sibyllesaara

Länger stehen blieb ich auch beim Stand von Estelle Gassmann, welche von ihr gefertigte Gläser, Teller und Schüsseln aus Glas, Porzellan, Plastik und Zucker-Tragant zeigte.  Auch hier war die Schere zwischen Funktion und Kunstobjekt wider weit geöffnet. Die einzelnen Stücke harmonierten sehr gut miteinander, vielleicht gerade weil es sich bei jedem um ein Einzelstück handelte. An jungendlichem Plastikmodeschmuck, bunten Teppichen, allen möglichen Arten von Handtaschen, lässigen Sonnenbrillen, wunderschönen Strickhandschuhen vorbei, kam ich schliesslich noch bei Charlotte Wooning vorbei. Sie stellt wunderschöne Mettalkettchen her, welche mit verschiedenfarbigen Perlen, verschieden grossen Kettengliedern und Kettenformen, zum wahren Hingucker werden. Bei ihr hatte ich letztes Jahr zusammen mit meiner Mutter, die übrige Kundschaft verwirrt, weil wir uns lautstark auf Niederländisch mit ihr unterhielten. Nach dem netten Gespräch, letztes Jahr, war ich stolze Besitzerin eines ihrer Schmuckstücke. Ich liess mir zudem noch ein zweites, direkt aus den Niederlanden herschicken, da sie ein Kettchen, welches ich begehrte, nicht in der von mir gewünschten Länge dabei hatte.

In Begleitung einer Vogelschar ging‘s im Hagelschauer dem Bach entlang

Als ich endlich beim Ausstellungsbereich angelangt war, der mir persönlich am meisten Herzhüpfen verursacht, brauchte ich zuerst mal eine kurze Verschnaufpause. Dank sei zwei vollgestopften Taschen, Notizbuch und griffbereitem Stift, hatte ich schon nach vierzig Minuten Krämpfe in beiden Armen. Ein rosaroter Pfeil auf dem Boden wies mir den Weg zur „Fashion Lounge“. Ich setze mich auf eine der Stufen des kurzen Treppenabsatzes, welcher zur Fläche führte auf der sich die Lounge befand. Sie präsentierte sich eher langweilig. Ein riesiger hellgrauer Teppich grenzte den Loungebereich ein. Auf ihm standen asymmetrische Polsterelemente neben tiefen Tischchen auf Steckenbeinchen. Die Loungeeinrichtung wirkte unter der hohen Decke eher verloren, als einladend. Die Gespräche in der Lounge glichen auch mehr einem leisen Getuschel. Da war mir die Atmosphäre der Alphütte im Parterre doch noch lieber.

Nach der kurzen Pause setzte ich meinen Rundgang fort. Von klassischen Basics, über alternativ wirkende Filzkleider, diversen Stoff- und Ledertaschen, eleganten Vintagekleidern zu flauschigen Stricksachen war wirklich für jeden Geschmack etwas dabei. Nachdem ich an vielen mir bekannten Labels, wie Ida Gut, Kleinbasel, Little Black Dress, Amok und Tarzan vorbeikam, hielt ich nach mir Unbekanntem Ausschau.

Als erstes entdeckte ich das Label Hageli von Claudia Hägeli. Zu sehen gab‘s lässig bis elegant bedruckte Foulard, welche teilweise durch Zusammennähen zu einer Art losen Matrosenkragen oder Jabot wurden. Bei Yoshiki von Tülay Kula überzeugten mich ebenfalls abwechslungsreiche Prints bei Oberteilen und Foulards. Die gemusterten Foulards waren frühlingshaft mit Schmetterlingen versehen, die Unifarbenen dagegen mit schönem Spitzeneinfass versehen.
                                 Yoshiki Fashion
Herausgestochen ist auch der Stand des Labels Fink und Star von Lea Schiesser und Nina Lehmann. Die feinen Overalls in Blau oder mit buntem Blumenmuster, welche am Ständer hingen und welche die Designerinnen auch selbst trugen, zogen als erstes meinen Blick auf sich. Nach einem kurzen Gespräch mit einer der Zweien wurde ich persönlich durch die sportlich verspielt und zugleich sehr romantische Kollektion geführt. Mein Liebling war ein weites, weisses Fledermausshirt mit lässigem schwarzen Print und Tunnelzug auf halber Höhe. Die Kleidungsstücke waren reich an schönen Detailarbeiten, wie zum Beispiel mehren Knöpfen am Halsausschnitt zur Veränderung dessen.
                                                  Romantisches von Fink und Star

Zum Schluss schaute ich mich noch in der „Bolero’s Choice #1“- Ecke um, in welcher das Modemagazin „Bolero“ eine Hand voll Designer präsentierte. Gefallen haben mir die Sachen von Only E.T Will Judge Me. Es handelte sich dabei um handgefertigte Haarreifen mit markanten Rosen in unterschiedlichen Grössen, Farben und Materialien.

Daneben tauchte für mich Altbekanntes auf. Das Taschenlabel Griesbach von den Schwestern Griesbach. Trotz herkömmlichem Material Leder, schaffen sie es immer wieder durch überragende Verarbeitung und unkonventionellen Formen zu überraschen. Dabei bleibt völlig unbemerkt, dass die zwei in Winterthur lebenden, sowie arbeitenden Schwestern zu Beginn totale Quereinsteiger waren.

                                    Griesbach Taschen

Manchmal bringen Newcomer eben nicht viel Neues

Oben auf der Galerie angekommen, machte ich mich zum Endspurt bereit. Hier Oben waren auch die Fach- und Hochschulen wie die „Schweizer Textil Fachschule“ oder die „Hochschule Luzern“ vertreten. Die “Hochschule Luzern“ hatte sich mit anschaulichem Material zu den Studienrichtungen Textil-, Objekte und Materialdesign am meisten ins kreative Zeug gelegt.

Auf dem Weg zum Newcomer-Abteil im hintersten Ecken der Ausstellung lief ich noch am Stand eines bekannten Gesichts in der Textilbranche, niemand geringerem als Jakob Schläpfer, vorbei. Natürlich war Herr Schläpfer nicht selbst anwesend, sondern liess durch seine Vertretung die neusten Accessoires, Schals und Colliers  aus seinem Laden „Bambola“ präsentieren.
                                           Lapen von Charaktersachen
Bei den Jungdesignern, Neudesignern oder zu Englisch einfachheitshalber Newcomern angekommen, entdeckte ich nicht viel Neues. Einzige wirklich innovative Idee stammte vom Label Charaktersachen von Moritz Profitlich. Er zeigte unter anderem, äusserst originelle Lampen in Form von Glühbirnen in Weckgläsern. Leider hatte der, aus Konstanz angereiste  Deutsche, einen etwas unglücklichen Ausstellungsplatz in der hintersten Ecke bekommen.

Mein Fazit der diesjährigen Messe lasse ich aus, zitiere jedoch zum Schluss Paulchen, der rosarote Panter: „Heute ist nicht alle Tage, ich komme wieder keine Frage!“.

Vögele Fashion Day Zürich 2011

Ein heiterer Empfang

Den Modeevent zu finden war nicht sonderlich schwer. Auch wenn meine Navigationsfähigkeiten minim sind. Den Plan mit der Wegbeschreibung brauchte ich nur bis zur ersten Abzweigung. Denn nach dieser liefen mir schon die ersten Töchter und Freundinnen, eingehakt bei Müttern und Freunden, auf zu hohen Stöckelschuhen und zu dünnen Strumpfhosen für diese Jahreszeit, entgegen.

Am Eingang des Puls 5, welches sich im neuernannten Zürcher Szeneviertel nahe des Escher-Wyss-Platzes befindet, standen die Fotografen so dicht gedrängt, dass es schon fast unangenehm war, sich an ihnen vorbei zu drücken. Da ich im Gegensatz zu den Fotografen 120.- Franken bezahlt hatte um an diesem Event teilzunehmen, fand ich es eine Frechheit, mir den Eingang freischaufeln zu müssen. Roberto Cavalli hin oder her.

Dafür freute es mich 20 Minuten vor Showbeginn schon vor Ort zu sein. Denn ich brauche immer einige Minuten mich in dieser parfümgeschwängerten Luft in Kombination mit herumfliegenden Makeup-Schlieren von gestressten Leuten, zurecht zu finden. Auch hier laufen die Leute nicht anders rum als die, denen ich schon zuvor begegnet bin. Die meisten der Anwesenden vergessen wohl, dass nicht sie bald auf dem Laufsteg stehen werden, sondern Models, welche nicht die Zeit haben sich mit den teuren Fetzen, welche sie präsentieren zu identifizieren und denen zudem das schmerzverzerrte Gesicht, beim Tragen zu hoher Schuhe, abtrainiert wurde.

10 Minuten später bin ich auf meinem Sitzplatz angekommen. Reihe 6, gute Aussicht, darüber kann ich mich nicht beklagen. Jedoch muss ich leider bemängeln, dass winzige Plastikbestuhlung, nicht geeignet ist, wenn man im Winter gerne dicke Jacken trägt, welche man dann nirgends verstauen kann. Zudem hämmerte mein schlechtes Gewissen gegenüber den 120.- Franken wider auf mich ein, als ich mit meinen Sitznachbarn vertraut gemacht wurde, welche eine Vorliebe für Ellbogenstösse und Schuhspitzentritte hatten. Als Dankeschön fürs nicht Entschuldigen, schnäuzte ich mich dafür ausgiebige 10 Minuten lang. Jedoch muss ich zugeben, dass ich dem Puls 5 die nicht einladende Sitzgarnitur schnell verzieh. Diese erinnerte mich nämlich an meine erste Modenschau, den Swiss Textile Award, die in der Toni Molkerei stattfand. Ein Hauch nostalgischer Gedanke dämmt bei mir glücklicherweise alle Anflüge schlechter Laune. Ich freute mich auf den Startschuss der Show, wie ein kleines Kind an Weihnachten aufs Geschenke auspacken.

Jedoch wuselten derzeit nur einige Fotographen auf der Bühne umher und versuchten wohl eher durch schlechtsitzende Kleider aufzufallen, als etwas dezent ihren Job auszuüben. 21:15 Uhr zeigte meine Uhr an, als auf der grossen Leinwand, am Beginn des Laufstegs, der Count-Down für den Start losging. Nach kurzer Moderation wurden 4 Kollektionen von Schweizer Modelabels vorgeführt. Darunter befanden sich Little Black Dress, Aziza Zina, Javier Reyes und Van Bery.

Schweizer Modelabels machen den Auftakt

        Little Black Dress macht den Anfang

 
Am besten gefallen hat mir die, als erstes präsentierte Kollektion von Little Black Dress. Welche jedoch selten Anlehnung an den Namen des Labels fand. Die Kleider hatten grösstenteils einen 40er Jahre-Akzent. Knielange, eng anliegende bis körperumspielende Schnitte machten, durch die teilweise sehr kräftigen Farben und luftigen feinen Seidenstoffe, Freude auf den Sommer. Es waren viele Musterungen, von Millefleurs bis zu Fischgrat, anzutreffen. Bei den Unifarben dominierte Rot. Es war eine sehr feminine und doch auch verspielte Kollektion, mit vielen Stücken, welche ich auch gerne meine eigenen nennen würde. Wenn ich nicht mit den Preisen solcher Kleiderstücke vertraut wäre, hätte ich mir glatt eine Weihnachts-Wunsch-Liste vollgeschrieben.

Die Kollektion von Aziza Zina katapultierte mich dafür wieder zurück in den Winter. Gezeigt wurden feine Kammgarn-Mäntel zu Cool-Wool-Kostümen. Dazwischen tauchten Samtblazer neben kecken bis dezenten Abendkleidern auf. Das Ganze wurde mit Pailletten, viel Chiffon und Perlen abgerundet.  Der 20er Jahre-Chic gepaart mit der gespielten Musik machte zwar Lust auf ein flottes Tänzchen auf dem Laufsteg, jedoch hat mich die eher zurückhaltende Kollektion leider nicht ganz aus den Socken gehauen.

Bei den vorgeführten Stücken von Javier Reyes lag der Reiz eher in der häufigen Transparenz als in der Raffinesse der Schnitte. Taillenhosen, weite wallende Chiffonkleider, drapierte Brustpartien bei Abendkleidern, das Alles kam mir bekannt und daher eher langweilig vor. Auch die Farbwahl war eher kein Augenschmaus. Einzig auffindbare Musterungen waren ein bräunlich kartierter Jupe mit ausgefranster Webekannte und ein Kleid mit leicht irritierendem, da asymmetrisch angebrachtem Band, welches sich um Hüfte und Brust schlang.

 
Van Bery macht den Abschluss
                                   
   

Den Schluss machte Van Bery. Die Kollektion erinnerte mich stark an die von Little Black Dress. Leichte Stoffe, blumige Muster, verspielte Formen bis hin zu anliegenden Schnitten. Zudem trugen die Models ebenfalls speziellen Kopfschmuck, der nicht wie meist bei grossen Schauen, von den Kleidungstücken ablenken, sondern sie eher noch unterstrichen. Jedoch waren es bei Van Bery bunte Plastikblumen, welche dieses Mal eher ein Frühlingsgefühl vermittelten, als die sommerlichen, diademartigen Getreidekorn-Reifen von Little Black Dress. Für ein Frühlingsgefühl waren auch, die eher etwas sportlich angehauchten Schnitte verantwortlich. Bei denen die Saumlänge im Vergleich zu den zuvor gezeigten Kollektionen,  etwas nach oben gerutscht war und welche mit schönen Dekolleté- und Rückenausschnitten überzeugten.

Gespanntes Warten auf den Gewinner des „Annabelle Awards“

Nach den gezeigten Schweizer Modelabels blieb nur eine kurze Verschnaufpause, um das eben gesehene auf sich wirken zu lassen. Weiter ging es mit der Präsentation der 5 Finalisten, welche für den „Annabelle Award“ nominiert waren. Der „Annabelle Award“ wendet sich an junge Modetalente und wird seit 2004 durch die Modezeitschrift Annabelle verliehen. Der Award beinhaltet ein einjähriges Praktikum bei einem renommierten Modelabel. Dieses Mal erhielt der Gewinner ein Jahr lang Einblick in das Treiben im Hause von Roberto Cavalli.
Nacheinander wurden die Finalisten zuerst in einem kurzen Film vorgestellt, bevor die zwei Outfits präsentiert wurden, mit denen sie sich für den Award beworben hatten. Auffällig war, dass nur eine einzige Kandidatin sich beworben hatte, auf Grund eines Interessens gegenüber der Mode Cavallis. Alle anderen sahen das Praktikum lediglich als Bereicherung für ihre berufliche Ausbildung.

Zu den Finalisten gehörte Danja Gooch, welche zwei dramatisch angehauchte Stücke vorzeigte. Neben dem schwarzen, gefiederten Ensemble fiel ein weites, flatterndes Kleid mit speziellem Print positiv auf. Darauf folgte Susanne Galliker, welche zwei Kleider präsentierte, bei denen ich ausser der stark dominierenden Farbe Rot, keine Gemeinsamkeiten erkennen konnte. Das eine war im asiatischen Stil, das andere hingegen erinnerte mich durch Drapierungen und Taillengürtel eher an eine Toga. Die Dritte war Franziska Steck. Ihre Teile waren eher schlicht gehalten. Abgesehen vom markanten Reissverschluss in einem Oberteil, waren es eher langweilige Umsetzungen altbekannter Basics.

Outfit von Yvonne Reichmuth
                                                      
Danach kam Yvonne Reichmuth, welche einen ledernes Kleid und eine lederne, wadenlange Hose mit weitem, leicht drapierten Oberteilen zeigte. Die Strenge des Leders bot einen sehr stimmigen Kontrast zur feinen Seide. Die Outfits waren sofort meine Favoriten für den Award. Nicht nur weil sie mir zu Cavallis Linie zu passen schienen, sondern weil ich es eine Kunst finde, Basics in einer neuen Form  zu präsentieren, welche einen an die Vorlage erinnert, aber doch nicht alltäglich wirken.

Stücke von Maxime Rappaz

                                                      
Den Abschluss machte Maxime Rappaz, der einzige Mann der Finalistengruppe. Seine Stücke erinnerten mich stark an die Mode der 20er Jahre. Kurze, vom Schnitt her schlichte Kleider, welche durch Plisées und Biesen in den Vorderteilen und Transparenz in den Rückenteilen, doch sehr gewagt waren. Dagegen irritierten mich die transparenten Socken, welche mich eher an Stützstrümpfe erinnerten. Auch an den kastenförmigen Taschen, bei welchen die Hände in der Tasche verschwanden oder der Griff der Tasche sich gar auf der Unterseite dieser befand, konnte ich kein gutes Haar finden. Denn zweitere erinnerten mich eher an abgesägte Krücken.

Der Maestro übernimmt den Laufstegendspurt

Auf die Vorführungen folgte eine kurze Ansprache von Lisa Feldmann, der Annabelle-Chefredakteurin. Mehr als ihre Ansprache, interessierte aber wohl eher ihre Abendgarderobe, welche natürlich Teil der neusten Just Cavalli Kollektion war. Sexy, weiblich, ja richtig feurig, seien die neuen Teile, verkündete sie dem Publikum. In Anbetracht, dass der Meister persönlich hinter dem Vorhang auf seinen Auftritt wartete, war dieses Honig um den Mund schmieren, keine grosse Verwunderung für mich. Einige Minuten später räumte Lisa Feldmann das Feld für die herein stolzierenden Cavalli-Models.

Den Überblick auf dem Laufsteg zu bewahren wurde bald schwierig, denn es tummelten sich immer mehr Models darauf. Das Ganze glich eher einem Ameisenhaufen. Animalprints, tiefsitzende Hüfthosen, Gilets , Tuniken, transparente Blusen und kurze Kleider flogen durcheinander. Die vielen Bänder, Hüftgürtel, Tressen, Fransen, Federn, Ketten und das viele Leder verwandelte die Models in eine Mischung aus Cowgirl, Pokahontas und Trapperlady.

Alles in allem muss man sagen, Cavalli hat sich nicht neu erfunden, doch bleibt dafür ganz deutlich seiner Linie treu. Er bietet sexy, rockige, extravagante Mode für selbstsichere Frauen.  Ich finde sogar Teile darunter, die durchaus alltagstauglich sind.

  Tobender Applaus für Cavalli
                                          

Am Ende der Show zeigt sich der Maestro endlich selbst auf dem Laufsteg. Er dreht eine kleine Runde und das Publikum steht auf und beginnt zu applaudieren. Ich finde dies reichlich übertrieben, wenn nicht sogar peinlich und bleibe deshalb sitzen. Er ist schliesslich nicht der Papst und auch bei dem würde ich sitzen bleiben.  Nach seinem Rundgang betreten die Finalisten wieder die Bühne und Cavalli verkündet den Sieger des Awards. Mit den Worten: „ Das ist eines der wenigen Male, in denen ich mich für einen Mann entscheide“, geht er auf Maxime Rappaz zu und schüttelt dem, etwas verdutzt dreinschauenden Gewinner, die Hand. Alle Klatschen. Ich klatsche auch, ob aus Anstand oder aus Überzeug, in Rappaz auch einen Gewinne zu sehen, weiss ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Ich musste mir jedoch eingestehen, dass eine grosse Priese Extravaganz in diesem Business vielleicht trotz allem die einzige Überlebenschance bietet. Nicht durch alltagstaugliche Qualitätsware, sondern durch augenüberreizende Laufstegraritäten aufzufallen, ist immer noch leichter.

 
 
Gewinner Rappaz
                               

Da die Freude über den Sieg nun begossen werden musste und dies im intimen VIP-Rahmen geschieht, wurde das Ende der Show eingeläutet. Ich freute mich von Herr und Frau Ellbogenhieb Abschied nehmen zu können und bahne mir langsam den Weg ins Freie, um noch auf den Zug zu rennen, der in 15 Minuten abfahren würde. Allem in allem war es eine gelungene Show. Für meinen Geschmack fehlte zwar etwas der Glamour. Denn als Zuschauer wurde man nur in das Gebäude geschleust und wider hinaus. Viel Zeit um in die Modewelt einzutauchen und ihr wider zu entgleiten blieb nicht.  Auf jeden Fall freue ich mich auf die nächste Show und den Glamour suche ich vorübergehend zuhause bei glitzernden Adventslichtern.