Geschichten, die nicht vergessen werden dürfen

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Über 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs schwindet die Zahl der Holocaust-Überlebenden. Schätzungsweise rund hundert von ihnen leben heute noch in der Schweiz. Damit auch die jüngere Generation, die Einzelschicksale hinter der Massenvernichtung kennt, erzählen Überlebende in der Ausstellung «Die letzten Holocaust-Überlebenden in der Schweiz» von Erlebnissen die eigentlich kaum in Worte gefasst werden können.

Manche konnten ihr Leben lang nicht über die schrecklichen Erfahrungen sprechen. Andere erst im fortgeschrittenen Alter. Auch Nina Weil war schon über dreissig, als sie zum ersten Mal über den Holocaust sprach, und auch nur mit ihrem Mann. Nun hat sich Nina Weil durchgedrungen, öffentlich zu erzählen, was sie in den Konzentrationslagern Theresienstadt und Auschwitz erlebte hatte. Sie tut dies unter ihrem Mädchennamen, weil das der Name ist, «unter dem ich gelitten habe», wie sie selbst sagt

«Da hat man mich tätowiert: 71978. Da habe ich sehr geweint. Nicht wegen des Schmerzes, nein, wegen der Nummer. Denn ich hatte den Namen verloren, ich war nur noch eine Nummer.» – Nina Weil

Erlebnisse wie sie von Nina Weil geschildert werden, lassen es einem kalt den Rücken hinunter laufen und brennen sich ins Gedächtnis ein. Mehr als zum Denken anregen will die Ausstellung über die letzten Holocaust-Opfer in der Schweiz auch gar nicht. Und so ist sie sehr puristisch gehalten. In einem mittelgrosser Raum an der ETH sind an den schwarz verkleideten  Wänden rundum grossformatige, schwarzweisse Porträts aufgehängt. Man blickt den porträtierten Menschen direkt  ins Gesicht. Doch die Wunden, die ihnen zugefügt worden sind, findet man eben nicht in den meist neutral bis fröhlich schauenden Gesichtern, sondern in den Zeilen darunter.

« Als sie uns befreiten, war ich praktisch tot. An was ich mich noch erinnern kann, sind Berge von Leichen – das kann man nicht vergessen.» – Egon Holländer

Für die Ausstellung traten rund ein Dutzend Überlebende vor die Linse des Fotografen Beat Mumenthaler Porträt.  Darunter stehen Zitate, die aus Filmporträts stammen, die der Zürcher Regisseur Eric Bergkraut zusätzlich für die Ausstellung umgesetzt hat. Die Namen der porträtierten wurden ganz oder teilweise anonymisiert.

Die Eckdaten zur Ausstellung

Die Ausstellung über die letzten Schweizer Holocaust-Überlebenden ist vom 2. Mai bis zum 3. Juni 2017 im Archiv für Zeitgeschichte der ETH Zürich im Hirschengraben 62, 8092 Zürich, zu sehen. Geöffnet sind die Räume jeweils Montag bis Freitag 09-17 Uhr.

Podium “Holocaust Education – wozu?”

Am 23. Mai 2017 (18.00-19.15 Uhr) diskutieren ExpertInnnen in einem Podiumsgespräch im Rahmen der Ausstellung die Zukunft der wissenschaftlichen und didaktischen Aufarbeitung des Holocaust

Führungen

Öffentliche Führungen jeweils mittwochs 03./10./17./24./31. Mai 2017 (12.30-13.00 Uhr) und dienstags 09./16./30. Mai 2017 (18.00-18.30 Uhr)
Gruppenführungen nach Vereinbarung: afz@history.gess.ethz.ch

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